Das Little, the Brat, & Daddy

Geschichten aus dem Kink Coaching Alltag

“Ein frecher Balk braucht eine saftige Strafe!” oder “Braver Bub, das hast du gut gemacht.”

Das mag zwar auch ein Zitat aus einem veralteten Erziehungshandbuch für überforderte Eltern sein, doch wäre es ein absolut zeitgemäßer Auszug aus einer Play Session zwischen einem Daddy und seinem Little.


Als kink Coach treffe ich immer wieder auch auf Beziehungsprobleme, wie im folgenden Beispiel eines Littles oder konkreter eines Brats und dessen Freund, bzw. Daddy. Aber bevor ich hier genauer darauf eingehe, was kannst du im Artikel erwarten?


  1. Allgemeines zu Age Play

  2. Die Rollen Little, Brat und Daddy/Mummy

  3. Die Problem-Situation des Pärchens

  4. Über die Erfüllung der Wünsche des Partners

  5. Wie kann man



Wie funktioniert das Age Play

Little, Brat, Daddy und Mummy sind Rollen im Age Play. Dies ist dabei keine Form der Pädophilie oder von Päderasten, sondern ein Rollenspiel, wo sich die Teilnehmer in einen Headspace begeben, in dem sie ihr inneres Kind freilassen können, bzw. die fürsorgende Rolle eines Elternteils einnehmen. Das Rollenspiel kommt dabei komplett ohne BDSM und sexuelle Aspekte aus, wobei je nach Varianten diese auch integriert werden können. Das Tatsächliche Alter hat dabei keinen Einfluss auf das Gespielte alter und real-Jahren gerechnet kann der Daddy jünger sein, als das Little.


Was ist ein Little?

Ein sogenanntes Little ist ein Age Player*in, der sich gerne in die Rolle eines sehr jungen Menschen versetzt. Je nachdem wie jung das Little ist, trägt es gerne Windeln, hat häufig ein großes Kuscheltier zum Schmusen, spielt gerne mit Bauklötzen, Puppen oder anderen Spielsachen, verhält sich kindisch und albern, macht manchmal in die Windel, Schläft im Laufstall oder Kinderbett, wird Gewickelt, kleckert beim Essen und genießt in gewisser Weise die ersten Jahre seines Lebens wieder. Möglichkeiten gibt es viele. Manche können dabei bereits reden, andere gar nicht oder verwenden Kindersprache. Dabei muss das Little kein Baby sein, aber sieht sich eben als ein Mensch am Anfang seiner Entwicklung und genießt die dabei einhergehende Leichtigkeit.


Was ist ein Brat?

Eine besondere Form des Little ist das Brat, also das Gör oder der Bengel. Es ist quasi die freche Form des Littles, welches den Daddy oder die Mummy gerne ärgert. Das Brat hat einen eigenen Kopf, mag aber durch physische und psychische Dominanz diesen gebrochen zu bekommen und kontrolliert zu werden, sprich Erziehung. Konkret kann dies durch klare Worte, Befehle, Regeln, Strafandrohung und Umsetzung oder Ähnliches erfolgen.


Was ist Daddy oder Mummy?

Das Gegenstück ist der Daddy oder die Mummy. Diese Rolle kümmert sich um das Little, kuschelt und schmust, gibt Regeln und Erziehung, räumt den Saustall hinterher auf, ist vom Brat genervt, ist mal lieb und mal böse zum Little… So eben, wie die Eltern nun mal sind oder sein sollten.


Age Play ist damit aber noch bei weitem nicht abgeschlossen und es gibt viele Varianten davon, sei es mit Grannys, Puppys, Furrys, Schutzengeln, Lolitas/Schulmädchen oder ähnlichem. Ich persönlich mag zum Beispiel die Vorstellung als gemeiner großer Bruder meinen jüngeren Bruder zu ärgern. Er himmelt mich an und ich nutze das aus ;)




Die Situation

Jedes Kink Coaching ist anders und wird auf die jeweiligen Partner hin angepasst. Das folgende Beispiel ist mit Einverständnis der Protagonisten entstanden. Die Namen, Details und Vorlieben wurden angepasst, um keine Rückschlüsse auf deren Person zu ermöglichen.


In der Beratung geht es um das Problem zweier Kunden, die ihrerseits Sub und Switcher sind. Beide haben interesse an kink und BDSM und hierbei viele Gemeinsamkeiten. Eine gemeinsame Vorliebe ist das Little, bzw. Brat und Daddy Play, wobei sie sich in den Ausprägungen unterscheiden.


“A” ist Sub und in unserem Fall das Little oder das Brat. Er hat einen eigenen Kopf, mag es aber dominiert zu werden und gegen seinen Widerstand in die gewünschte Bahn gelenkt zu werden. “A” sucht dabei langfristige Erziehung. Sein Ansatz ist “ich bin frech und unleidig, bis du dich um mich kümmerst”. Er wünscht hiermit Aufmerksamkeit, aber auch das Gefühl jemanden zu haben, der ihn in die Schranken weist und sich um ihn kümmert. Er selbst mag es dabei nicht frech zu sein. Es geht ihm um die Gegenreaktion seines Doms, die sowohl Aufmerksamkeit, Nähe und Zuwendung, aber auch Führung, Orientierung, klare Ansagen und mehr fordert. Wenn er sich dann wie vom Dom gewünscht verhält, fühlt er sich gut. Wenn der Dom aber nicht reagiert, wird er frecher und frecher, was er selber aber gar nicht mag.


“B” ist Switcher. Er kann sehr dominant sein, mag es aber auch selbst dominiert zu werden. In der Beziehung sieht er sich als Daddy, ist hier aber noch unerfahren. “B” hat sich nun an mich gewandt, mit der Frage wie er dominanter sein kann. “B” ist für “A” nicht dominant, bzw. nicht konsequent genug und “A” wird somit immer frecher und frecher, wobei er sich hierbei eben nicht gut fühlt. Mehrere Versuche, in denen “A” “B” erklärt hatte, wie es geht, sind nach kurzer Zeit eingeschlafen und “A” wurde erneut frech.


Als Daddy wird von Partner “B” erwartet, dass er sein Little liebt hat und sich um dieses kümmert was mit seinem Interesse als sein Freund super einher geht. Der strenge Erzieher ist der Switcher aber nicht von natur aus und er muss diese Rolle spielen. Er spielt sie zwar gerne, aber muss er eben durchgängig darauf achten. Außerdem führt die frech-dominante Art von “A” dazu, dass “A” dominanter wirkt und “B” nachgibt, der es ja prinzipiell auch nicht uninteressant findet von seinem Freund dominiert zu werden.


Das Problem der Rollenspiele

Das Problem der Rollenspiele ist, das es quasi ein Spiel ist. Man nimmt für eine gewisse Zeit eine bestimmte Rolle und damit einhergehend die Geisteshaltung ein. Meistens ist dies aber nicht unsere natürliche Geisteshaltung. Wenn wir die Rolle gut verinnerlicht haben, können wir sie leicht und somit auch länger aufrecht erhalten. Wenn wir uns in der Rolle aber unsicher sind, so ist das aufrechterhalten mit Anstrengungen und Mühen verbunden. Es erfordert eine stetige Aufmerksamkeit zu dem Thema, wodurch wir uns nicht erholen und fallen lassen können.


Anders ist dies, wenn wir uns voll mit der Rolle identifizieren können, wenn wir die Rolle so gut kenne und können, dass wir sie quasi leben. Wenn wir nicht das Glück haben, dass wir unsere Rolle auch mit der Alltags-Person verknüpfen können, spielen wir dann eher im Alltag und leben im Rollenspiel unser inneres Selbst aus. Aber das wird nun philosophisch…


Wenn wir ein Rollenspiel machen, dann ist dies wie bei einem Schauspieler, wir können sie erlernen und Text, Handlungen und Charaktereigenschaften einstudieren und erlernen oder wir können den Charakter zum Leben erwecken, indem wir die Eigenschaften, Charakterzüge und Eigenarten verinnerlichen, aufnehmen und Text und Handlung sich dann quasi von alleine ergeben (sorry an alle Schauspieler, falls ich dies mit meinem Überschaubaren wissen fehlerhaft dargestellt habe).


Man muss also entweder das eine oder das andere können. Man muss also entweder Handlungen, Worte und typische Reaktionen erlernt haben oder man muss den Charakter verinnerlicht haben.




Wie kann die Beziehung damit umgehen?

Natürlich haben ich verschiedene Spielarten vorgeschlagen und Tipps für gutes DOM-Verhalten gegeben. Sie haben viel ausgetestet und konnten viel neues Ausprobieren und mehr Schwung in das Spiel bringen. Man muss aber sagen, Wir dass “B” nicht den Charakter des Daddys oder des Dom-Only inne wohnt. Temporär ist er super darin und die beiden haben hierdurch tollen neue Input für die Session erhalten. Aber es bleibt eben eine Rolle, die genauso zur Geltung kommen will, wie seine Sub-Seite. Langfristig kann er das Spiel nicht aufrecht erhalten. Folglich haben wir das Gespräch fortgesetzt.


Auch wenn eine langfristig erfolgreiche Beziehung viele Kompromisse bedarf, so sollten wesentliche Bedürfnisse nicht unterdrückt werden. Es belastet “A” bereits heute, dass er sich hier nicht verwirklichen kann und er merkt, wie sich dies negativ auf seinen eigenen Charakter und die Beziehung auswirkt. “B” verstand, dass er langfristig nicht die gewünschte Rolle übernehmen kann. Eine Trennung war für beide natürlich keine Lösung und nur das letzte Ziel. Die beiden haben sich daher darauf geeinigt für “A” eine Art Ersatz-Eltern-Part zu finden, der die Erziehung langfristig übernehmen kann.


Hierbei ist es wichtig, dass die gemeinsame Anforderungen, wie auch die Rahmenbedingungen zur Öffnung der Beziehung in diesem Bereich gemeinsam besprochen und festgelegt werden, so dass sich kein Part übergangen fühlt oder ausgebremst wird.


Wo finde ich weitere Informationen?

Es ist aber nicht ganz leicht eine Mummy oder einen Daddy zu finden und bisher wurde nur ein Übergangsperson gefunden. Es ist aber ein weiterer Schritt in die richtige Richtung und für eine langfristig funktionierende und erfüllte Beziehung. Wir haben uns übrigen bisher auf verschiedenen Little, Brat und Age Play Gruppen auf FetLife, JoyClub und Facebook umgeschaut und werden natürlich auch die schwulen Medien, wie Romeo und Recon integrieren.


Natürlich kann man auch bei naheliegenden Fetischen, wie dem Windelfetisch fündig werden. Neben den online Medien gibt es auch Stammtische und Events zum Thema. Für die Suchmaschinen sind dabei folgende Begriffe hilfreich: Age Play, Little, Brat, AB/DL, Adult Baby, Diaper Lover, Windelliebhaber, TB, Teen Baby



Du hast Fragen oder Anregungen zum Artikel? Du hast eine Fragestellung an den Kink Coach oder suchst eine individuelle Beratung? Dann kontaktiere uns!


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