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  • Dan Apus Monoceros

2022 war ein sehr spezielles Jahr. Der Lockdown ging zu Ende, langsam ist wieder ein soziales Leben entstanden, es gab aber auch neue Herausforderungen und Probleme, wie zum Beispiel der Lockdown im asiatischen Raum, der Krieg in Europa oder die Inflation und die steigenden Energiepreise mit denen wir zu kämpfen haben und die unser letztes Jahr beeinflusst haben. Hinzu kommen ein paar Trends, die weiter vorangekommen sind, bzw. die nun auch in der kinky Welt eingezogen sind.


Ich habe mit einigen Kollegen geredet, die selbst in der gay und BDSM Szene aktiv sind und dort Podcast, Blogs oder Events machen. Ich habe gefragt, was sie als Trends in 2022 wahrgenommen haben und was sie für 2023 erwarten.


Hier ein paar Ergebnisse zusammengefasst!


  1. Alte, neue Spontanität bei den Gästen

  2. Private Events?

  3. Puppys überall

  4. Die Gearheads kommen

  5. Toy Markt im Wandel - Aus Privat wird Professionell

  6. Kink in den Medien und der Gesellschaft

  7. Kink als Kunst

  8. Intellektuelle Kink-Elite

  9. Professionalisierung von Sex und Kink Education

  10. Back to the basics

  11. Negative Tendenzen und Rückschritt


Über den Autor, Dan Apus Monoceros:

Ich bin Coach für Nicht-Monogame-Beziehungen und Kinks, arbeite als Bondage Trainer und Rope Artist und mache die Events des www.gay-BDSM.clubs. Ich beschäftige mich also täglich und professionell mit der queeren Kink-Welt und beobachte daher auch, was sich hier entwickelt. Dies bedeutet aber nicht, dass ich dies als Außenstehender tun kann oder eine objektive Meinung habe, selbst wenn ich dies versuche. Ich versuche mich daher auch mit anderen abzugleichen und die hier aufgestellten Trends mit konkreten Erfahrungen zu unterfüttern, wobei ich eben nur einen sehr subjektiven Ausschnitt hierbei beobachte. Dies kann dazu führen, dass sich manche Dinge für dich als Leser komplett anders darstellen oder gar falsch anfühlen. Denn auch du hast nur eine Ausschnitt vor Augen. Dennoch wünsche ich dir viel viel Spaß mit den Beobachtungen, die andere kink-Schaffende und ich im letzten Jahr gemacht haben und wie wir vermuten, wie sich die Industrie und die Szene entwickeln wird.


Alte, neu Spontanität bei den Gästen

Nachdem die Lockdowns im letzten Jahr um waren, waren die Gäste nicht zu bremsen. Wir waren regelmäßig ausverkauft und die Gäste haben sich brav ihre Tickets besorgt. Dann kam der Moment, wo wir trotz vieler Ticketverkäufe wenig physische Gäste vor Ort hatten. Die Gäste hatten plötzlich wieder zu viele Angebote zur Auswahl und viel wurde nachgeholt. In Folge gingen die Ticket-Vorverkäufe runter, die Gäste kamen aber dennoch. Teilweise sogar so viele, dass wir Einlassstopp hatten und nur jene mit Ticket einlassen konnten. Bei anderen war es ähnlich oder aber so, dass sie wegen zu wenig Ticket-Vorverkaufs ihre Events absagen mussten (ob dann mehr gekommen wären, wissen wir aber nicht). Das bedeutet, dass wir als Veranstalter wieder zurück zu unserer alten Denkweise müssen, wo sich die Gäste nicht ankündigen, sondern einfach spontan vorbeischauen. Und ich denke, dass sich dies in 2023 weiter eher zu mehr Spontanität hin entwickeln wird und dass Veranstalter und Gäste spontan bleiben müssen.


Private Events nehmen zu?

Die kinky Szenen, egal welcher Stadt, haben immer mit privaten Events den stärksten Wettbewerb und Corona hat Privatpartys ja geradezu salonfähig gemacht. Dort trifft man häufig mit dem eigenen Freundeskreis zusammen, kann meist günstiger feiern und öffentlich Dinge tun, die man auf öffentlichen Events hingegen nicht öffentlich tun sollte, wenn man nicht rausfliegen will.


Tatsächlich ist diese Entwicklung aber nur bedingt eingetroffen. Zumindest in Berlin wollen die Menschen auch öffentliche Partys besuchen und so neue Menschen kennenlernen. Das mag an den Möglichkeiten und der dennoch irgendwie privat gemütlichen Atmosphäre liegen, am Kontakt zu fremden Menschen und Touristen oder auch an der Ausgestaltung und den Sicherheitsvorkehrungen, die für solche Orte geschaffen werden. Zumindest kann ich für meine Partys feststellen, dass diese gewachsen und größer geworden sind. Einige andere Veranstalter haben dies jedoch anders bewertet.


Puppys überall

So könnte man es sagen. Gefühlt ist jeder, der auch nur ein bisschen kinky ist, mittlerweile ein Puppy. Der Zusammenhalt der Vergangenheit, dieses “wir sind die anderen” ist weg und viele Rudel, Grüppchen und Zusammenschlüsse zerfallen oder werden zu eher losen Verbindungen. Allein in Berlin weiß ich für 2023 von 5 verschiedene Anbietern für Puppy Events. 2019 war ich hier noch allein. Und damit meine ich nur Play, Dance und Social Partys. Die Stammtische und andere Freizeitaktivitäten sind hier nicht mit dazugezählt. Da die Puppys einander aber nicht mehr unterstützen, sondern häufig eher getrennte Wege gehen und auch in jedem anderen Club reinkommen, stellt sich natürlich die Frage, wie erfolgreich dies sein wird…


Die Gearheads kommen

Ich persönlich habe mich in die Gearheads verliebt. "Damals, als ich noch jung war…” (now you can call me Daddy ;) war es noch was besonderes, dass wir uns Cross-Cycling Gear kauften und so auf Partys waren. Heute würde ich da wohl weniger auffallen. Aber dafür fallen mir die Jungs in ihren Gears auf, die mittlerweile zu einer relevanten Größe geworden sind. So hatten wir nun zu Folsom auch ein Gearhead Fotoshooting und deutschlandweit haben sich schon längst Gear Partys etabliert. Für mich definitiv der richtige Zeitpunkt, um meine SMash! Party wieder aufleben zu lassen: Gearheads, Puppys, Gummi und alle colorful Kinks. Nachdem sie 2020 wegen Corona eingestellt wurde und danach die Location leider nicht mehr bezahlbar war, wird sie 2023 nun wieder neu aufleben: colorful, crazy, kinky. Im sinberlin. Wünscht mir Glück :)


Toy Markt im Wandel? - Aus Privat wird Professionell

Neue Produktionswege und Materialien, die vor allem von privaten Tüftlern genutzt wurden, sind ein neuer Standard auf den kinky Messen geworden. Sie stammen häufig aus Deutschland oder dem nahen europäischen Ausland und die Hersteller sind selbst aktiv in der Szene unterwegs. Die Billigwaren aus dem fernen Ausland, die in den letzten Jahren den Toy Markt geradezu überflutet haben, findet man hingegen nur noch zu einem geringen Teil und scheinen Ladenhüter zu sein. So kommen viele Toys mittlerweile aus dem 3D Drucker und haben verschiedene Farben und andere Modifikationsmöglichkeiten. Sie sind zwar von Maßanfertigung noch weit entfernt, aber sind zumindest flexibler geworden. Virtual Reality Shows, die mit 3D Kameras aufgenommen werden, kann man als Kunstpornos anschauen und bieten Fetisch-Tanz-Performances. Künstlerischer und kreativer wurden auch Toys. Nicht nur Dildos oder andere Insertables gewinnen an Farbe, auch Paddels, Peitschen, Halsbänder, Fesseln und vieles mehr werden immer bunter und durch neue Materialien und Verfahren, wie Gussverfahren, ergänzt. Und selbst die Club-Wear hat die Nische verlassen. Dort wo man früher nur sündhaft teuer Selfmade kaufen konnte oder richtig (auch qualitativ) billig im Ausland, haben sich nun Marken etabliert, die eine ausreichende Qualität im mittleren Preissegment anbieten.


Die Reaktion der Messebesucher war super. Sicher wird sich nicht jedes Unternehmen durchsetzen, aber der aktuelle Erfolg spricht erstmal für sich!



Kink in den Medien und der Gesellschaft

Jahrelang war es für mich immer ein persönliches Anliegen, Kink als normal zu sehen. Auch wenn wir dort noch nicht angekommen sind, habe ich im letzten Jahren ein zunehmendes öffentliches Interesse am Thema gesehen, vor allem im TV und Online-Medien. Dies ist besonders auch deswegen zu erwähnen, da die Community Richtlinien großer sozialer Plattformen wie Facebook, Instagram und ähnlichen, häufig in die entgegengesetzte Richtung tendieren und diese Themen versuchen, an den Rand der Gesellschaft zu drängen. Dabei war Deutschland in der Vergangenheit immer ein relativ liberales und offenes Land, das hier sehr offen und positiv an das Thema rangegangen ist. Erst die letzten Jahre hat hier einen stärkeren Rückgang deutlich gemacht, der wahrscheinlich durch eben das Social-Verbot der großen Plattformen befeuert wurde. Dies scheint die etablierte Medien-Industrie in Deutschland nun wohl als Chance zu sehen. Sie greift diese Themen auf und bietet somit Inhalte an, die von anderen Plattformen zensiert und verbannt werden.


Im letzten Jahr habe ich gleich bei mehreren Produktionen mitgemacht. Dort wo ich in der Vergangenheit nur bei kleinen Dokumentationen, zum Beispiel bei der Pure Produktion, angefragt wurde, erreichten mich 2022 auch immer mehr Produktionen von größeren (Online-)Sendern. Ein sehr schönes Ergebnis fand ich den Beitrag mit mir von “nicht erregen” von Joyn über den Puppy Market, den ich veranstalte. Vor allem deswegen, weil es eine ernsthafte Aufklärungsarbeit im unterhaltsamen Format war und nicht eine Art von Sensationslust, die man früher häufig miterleben musste. Ähnlich ging es einigen Kollegen und auch für das aktuelle Jahr habe ich bereits einige größere Anfragen am Laufen. Sofern denke ich, dass sich dieser Trend auch 2023 fortsetzen wird und es weitere hochwertige Formate geben wird.



Kink als Kunst

Nicht nur in den Medien wird Kink zunehmend zum Inhalt. Auch immer mehr Theater und Vernissagen bieten Produktionen und Ausstellungen, welche mit BDSM-Elementen arbeiten. Dies sind aber keine Szene Bühnen, die sich an kinky Menschen richten, sondern kleinere oder größere reguläre Bühnen, wo diese kinky Elemente als Gestaltungselemente verwendet werden. Dies baut Hemmnisse ab und erfordert von den Zuschauern auch das Aktive, sich damit auseinanderzusetzen.


So haben Besucher der neuen Nationalgalerie in Berlin zum Beispiel die Möglichkeit, sich in einem Ketten-Sling auszuruhen oder sich mit Handschellen für eine bestimmte Zeit zu fesseln. Künstler auf der Bühne erklären Konzepte wie Konsens und die Freiheit des Gefesselt Seins, der eigenen Wahl und dem Konzept, dominiert zu werden oder andere zu dominieren. Und auch für mich ergaben sich so in 2022 persönliche Highlights, wo ich zum Beispiel im Rahmen eines Fine Dining Events mit meiner Seilkunst auftreten konnte und auch schon fürs nächste Jahr wieder gebucht wurde. Auch hier sehe ich daher, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.



Intellektuelle Kink-Elite - Kink als Identität?

Die Anzahl von kinky Angeboten, die auch einen intellektuellen Anspruch haben, nimmt zu. Bereits vor Corona haben wir mit der Teegesellschaft ein sehr erfolgreiches Format ins Leben gerufen, wo Lesungen, Shows, Talks und Ähnliches mit Fetisch, Kink und Sexpositivität in Verbindung gebracht wurden. Und damit lagen wir voll im Trend. Mittlerweile gibt es auch immer mehr Angebote, wie Lesungen, Talk-Runden oder (Kunst- und Doku-Filme schauen, genauso wie Galerien, die sich gezielt an die kinky Community richten. Dies spürt man auch bei Waren, wo wir auf Messen zunehmend Anbieter hochwertiger kinky Kunst, von Fotografie über Skulpturen bis zu virtuellen und realen Kunst-Performances finden. Kink verlässt somit den persönlichen Rahmen und wird mehr gesellschaftsfähig. Vielleicht ist dies auch ein Grund, weshalb es gerade in der jungen Kinky Szene auch zunehmend Stimmen gibt, die weniger sexuelle Veranstaltungen, aber mehr Kink wünschen. Ein paar einzelne Stimmen oder ein Trend? Wir beobachten es weiter :)



Professionalisierung von Sex und Kink Education

In der Vergangenheit galt beim Thema Kink-Education häufig, dass der Einäugige unter den Blinden bereits den Workshop leitete. Teilweise mit zwielichtiger Motivation wurden Kurse gratis, gegen Spenden oder sehr günstig angeboten. Die eigentlichen Kosten waren dann gefährliches Halbwissen, falsche Annahmen oder Fehleinschätzungen, aber auch Missbrauch oder physische und psychische Schäden bei den Beteiligten. Dass sich hier was ändern musste, war offensichtlich.


Nicht nur einige Serien von Netflix und Amazon (aber sicherlich auch diese) haben dazu geführt, dass das Interesse an fundierten Lehrangeboten zugenommen hat. Es gibt aber auch auf Anbieterseite mehr professionell organisierte Anbieter, die Coaches einladen, regelmäßig qualitative Angebote von verschiedenen Profis anbieten und faire Preise bezahlen. Außerdem hat sich ein unterstützendes Rahmenprogramm entwickelt, wie Netzwerktreffen, Akademien, Training the Trainer Konzepte und mehr. Ob dieser Trend zur Qualität aber langfristig bleibt, wird man sehen müssen, vor allem falls die Preise wegen steigenden Angeboten langfristig fallen sollten.


Back to the basics

Vor Corona waren Workshops häufig in sehr spezifischen Bereichen sehr erfolgreich. Nun scheinen aber vor allem die Basics wieder an Bedeutung zu gewinnen. Dies mag wenig verwundern, wenn man davon ausgeht, dass all jene, die nun keine Online-Workshops besucht haben und sich während Corona auch nicht wirklich weitergebildet haben, nun auf dem Markt nach passenden Angeboten suchen. Die Frage ist, wie es sich in diesem Jahr verhält. Werden nun diejenigen, die die Basics erlernt haben, dabei bleiben und sich weiterentwickeln wollen oder werden wir noch ein oder zwei Generationen an Teilnehmern haben, die vor allem die Grundlagen benötigen. Es bleibt spannend.



Negative Tendenzen und Rückschritte

Aber leider gibt es auch Entwicklungen in die entgegengesetzte Richtung. So nehmen die gemeldeten Übergriffe und Straftaten gegen die LGBT- Community in Berlin zu und erreichen einen neuen Höchststand seit Erfassung (siehe: https://www.welt.de/politik/deutschland/article242497243/Berlin-Queerfeindliche-Uebergriffe-in-der-Hauptstadt-erreicht-neuen-Hoechststand.html). Oder auch das negative Auftreten im Umfeld der OneLove Binde in Katar, welches Sponsoren weiter mit unserem Geld unterstützen, welches wir jedes mal mitbezahlen, wenn wir zu McDonalds gehen oder ein Produkt der Coca Cola Company trinken. Es scheint, dass wir zwar aufschreien, aber nichts tun. Eher so ein Mimimiii.


Aber auch komische Kommentare aus der Szene gegenüber anderen Mitgliedern unserer Szene, muss man leider mit aufführen, wo einzelne Mitglieder Gruppen ausschließen wollen oder anpassen wollen.


Daher sollten wir uns für 2023 vornehmen, uns untereinander zu unterstützen, uns gegenseitig abzustimmen und voranzubringen, um gemeinsam etwas aufzubauen und geschlossen gegenüber Hass und Intoleranz aufzutreten.



Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Was sind deine Erwartungen für 2023? Oder hast du noch etwas anderes, was dich interessiert? Stell mir gerne eine Frage an info@gay-BDSM.club


I wish you a kinky 2023!


Dan



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  • Dan Apus Monoceros

Aktualisiert: 17. Nov. 2022

Wahlfamilie ist wo wir uns wohlfühlen

by Dan Apus Monoceros


Alle Jahre wieder: Die Jahreszeit der Familienfeste steht vor der Tür. Einige werden wohl queer durch die Republik fahren um ihre Verwandtschaft zu sehen, mit ihnen zu essen, Geschenke auszutauschen und eine schöne Zeit zu haben. Manche werden sich sicher auch mit ihnen streiten, denn nur weil man ein paar Gene miteinander teilt, heißt das ja nicht, dass man auch die gleichen Werte und Weltanschauungen hat.


Aber nicht jeder hat eine Familie oder kann und/oder möchte diese besuchen. Vielleicht haben einige mit ihren Verwandten gebrochen, vielleicht sind sie einfach zu weit weg und manche haben nie welche gehabt oder diese kennen gelernt. Gerade in der LGBTQ-Welt scheint dies doch etwas häufiger vorzukommen, als in manch anderem Umfeld.


Es gibt aber nicht nur die Familie, in der wir geboren wurden, sondern auch die Familie, die wir uns suchen und mit der Zeit selber aufbauen. Und mit dieser Familie möchte ich mich in diesem Artikel mit euch beschäftigen.


In Vorbereitung auf diesen Artikel habe ich eine kleine, nicht-repräsentative Umfrage gestartet, wobei die Ergebnisse hier mit einfließen werden. Außerdem möchte ich in diesem Artikel

  1. die (Wahl-) Familie definieren und verstehen

  2. verschiedene Aspekte von Wahlfamilien beleuchten

  3. die Wahlfamilie mit unserer genetischen vergleichen

  4. Hinterfragen, wieso der Aspekt der Wahl so wichtig ist

  5. Uns die Kehrseite der Medaille anschauen

  6. Und uns die Frage stellen, wie man eine Wahlfamilie erfolgreich gestaltet


Die Umfrage

Ich selber lebe seit mehreren Jahren in einer Wahlfamilie. Da ich aber nicht von mir auf andere schließen oder verallgemeinern möchte, habe ich eine kleine, nicht repräsentative Umfrage gestartet, auf die ich 28 Rückmeldungen erhalten habe.


Die Umfrage habe ich im Netzwerk und Umfeld des gay-BDSM.clubs gestreut. Entsprechend kann man hier keine Rückschlüsse für die Gesamtbevölkerung annehmen.


Dies wurde auch in der Umfrage bestätigt, wo 78,6% der Teilnehmer angaben, männlich zu sein und nur 14,3% weiblich (7,2% hatten ein anderes Geschlecht). Außerdem gaben nur 7,1% an heterosexuell zu sein. 67,9% gaben an, kinky zu sein. Als nicht-monogam bezeichneten sich 42,9% der Teilnehmer. 32,1% der Teilnehmer waren bis 24 Jahre. Ein gleich großer Anteil war zwischen 25 und 34 Jahren. Und ein nochmals entsprechend gleich großer Anteil war über 35 Jahre.


Von allen Teilnehmern haben 46,4 % der Teilnehmer angegeben, derzeit oder in der Vergangenheit in einer Wahlfamilie zu leben oder gelebt zu haben. 32,1 % wären gerne in einer und der Rest ist unentschlossen oder denkt eher nicht in einer leben zu wollen. Diejenigen, die bereits Erfahrungen mit einer Wahlfamilie haben, haben einen detaillierten Fragebogen ausgefüllt. Die anderen sind zu ein paar allgemeinen Fragen gekommen.


Was ist eine Wahlfamilie?

Abweichend von unserer genetischen Familie gibt es im Laufe unseres Lebens immer wieder Netzwerke von Menschen, denen wir uns zugehörig fühlen, teilweise sogar mehr als denen, wo wir herkommen. Damit meine ich nun nicht den Partner:In, sondern einen Zusammenschluss aus Menschen, die nicht zwangsweise auch sexuellen Kontakt pflegen, aber auf ihre Weise einander lieben.

Ergebnisse aus unserer Umfrage:

Wir haben diejenigen gefragt, die derzeit oder in der Vergangenheit in einer Wahlfamilie waren, wie glücklich sie hierbei waren. Alle waren "immer'' oder “meistens” “sehr glücklich”!

Eine mögliche Definition

Es gibt eine Vielzahl von Definitionen, wobei etliche die Zugehörigkeit von Eltern und Kindern in den Mittelpunkt stellen und nur wenige Familien als abstraktes Modell nicht verwandter Personen verstehen.

Folgende Definition habe ich dabei für mich aufgestellt:

Abstrakter gehalten kann man sagen, dass eine Wahlfamilie aus mehreren Menschen besteht, die sich einander zugehörig fühlen, regelmäßig miteinander interagieren und sich gegenseitig unterstützen, unabhängig von der situativen Sympathie.

Was ich hiermit ausdrücken möchte, ist, dass es um ein höheres Konstrukt geht, was hinter dem liegt, was mehr ist als eine Freundschaft, gegenseitiger Nutzen oder Sympathie. Wenn man sich mit einem Freund zerstreitet, kann man sich einen neuen suchen. Familie kann man sich hingegen nicht so leicht aussuchen.

Dies trifft auch bei einer Wahlfamilie zu. Man kann sie sich zwar aussuchen, aber wenn man sich erstmal einer Familie angeschlossen hat, so ist man dieser auch verbunden und verpflichtet. Man kann sie zwar wieder verlassen, aber meistens fällt dies schwer. Einzelne Mitglieder kann man sich hingegen nicht aussuchen. Es ist eine Art Verpflichtung, der man sich unterordnet, auch wenn es einem gerade vielleicht nicht in den Kram passt.

Verpflichtung auf mehreren Ebenen

Häufig teilen sie Ressourcen miteinander, übernehmen füreinander schützende oder fördernde Funktionen und stehen füreinander ein. Sie verschreiben sich quasi der Familie und somit allen Mitgliedern der Familie. Die Werte gehen ineinander über.

Sie verfolgen prinzipiell gemeinsame Werte und Vorstellungen, müssen aber nicht im Detail der gleichen Meinung sein. Unstimmigkeiten gehören dazu und können die Familie bereichern und der Familie neue Sichtweisen und Werte geben… oder sie können auch die Familie entzweien. Somit ist eine Familie nicht ein festes Konstrukt, sondern entwickelt sich über die Zeit. Die einzelnen Mitglieder können auch mit nicht-Familienmitgliedern interagieren, wobei diese externen Interaktionen weniger nachhaltig zu verstehen sind, wie die Bindung in der Familie, es sei denn es entsteht eine ebenso starke Bindung mit dem externen, der dann ebenfalls Teil der Familie, Verwandtschaft wird.

Durch die hohe Verpflichtung geht man zusammen eben auch durch dick und dünn. Man teilt miteinander die guten, wie auch die schlechten Dinge. Es ist also nicht immer leicht, aber überwiegend wird man dadurch belohnt.

Aber diese Verpflichtung wird belohnt. Bei unserer Umfrage waren alle Befragten “immer” oder “meistens sehr glücklich”. Überwältigend schönes Ergebnis, welches uns später häufig noch weiter bestätigt wurde im Rahmen von anderen Fragen.

Benennen, Inhalte & Gemeinsamkeiten

Es gibt viele Namen dafür: dies fängt bei typischen Familienbegriffen an, wie “mein (nicht leiblicher) Bruder/Schwester”, “meine Geschwisterschaft”, “meine [poly / rope / BDSM / kinky / leather / Drag / FF / …] Familie”, “mein Rudel”, “House of [irgend ein Name]”, “meine Homies” usw. Es gibt sehr, sehr viele Namen. Um es einheitlich zu halten, nennen wir diese sozialen Konstrukte nun Wahlfamilien.

Der Name ist aber gar nicht so unbedeutend. Häufig steckt in ihm das zentrale Element der Familie mit drin, um die es bei dieser Gruppe an Menschen geht. So hat die Leather Family wahrscheinlich etwas mit Leder zu tun, die Rope-Familie mit Shibari und das Rudel wahrscheinlich etwas mit Puppys.

Es gibt aber auch Namen, die sich eher um eine spezifische Person drehen, wie das “House of Spot”, wobei Spot hierbei das Familienoberhaupt ist und dies eine Art Entscheidungsstruktur und den Gestaltungsrahmen eben von Spot darstellt.

Selbst wenn es ein zentrales Thema gibt, wie bei einer Leather-Family, so muss dieses nicht immer bei allen Mitgliedern gleich stark ausgeprägt sein. Es kann über die Jahre auch komplett an Bedeutung verlieren. Der Zusammenhalt zwischen den Menschen ist das, was es eigentlich besonders macht.

In unseren Umfragen haben wir gefragt, was die fundamentalen Gemeinsamkeiten der Wahlfamilien sind. Am häufigsten genannten Elemente waren die Polyamorie (8) und verschiedene Kinks (7), wobei das “Puppy sein” mehrfach erwähnt wurde.

Außerdem wollten wir weitere Gemeinsamkeiten wissen. Hier wurden die bereits erwähnten Elemente wiederholt und erweitert. Interessanterweise wurde mehrfach dabei ein gehobener Bildungsgrad in Verbindung mit sexueller Experimentierfreudigkeit erwähnt. Es gab aber auch Häufungen von Themen, wie Kuscheln, Kulturevents, gutes Essen, Natur oder andere Freizeitaktivitäten, die außerhalb des sexuellen Rahmens stattfanden. Auch gemeinsame Werte wurden genannt, wie Toleranz, Offenheit, Ehrlichkeit, Vertrauen oder Verständnis.

Das Ergebnis ist nun nicht überraschend, aber es zeigt schön, dass wir hier auf der richtigen Spur sind und die Menschen, die sich eben weit mehr als mögen, auch zusammen finden können und gemeinsame Themen für sich finden. Aber eben auch, dass es später nicht nur um ein Thema geht, sondern um den Zusammenhalt in dieser Gruppe, eben wie bei einer biologischen Familie.

Eine Familie für die Ewigkeit

Eine Familie ist eigentlich für die Ewigkeit definiert. Eine Ewigkeit ist aber eine lange Zeit. Eine Familie kann sich entwickeln und verändern. Sie kann dir mehr oder weniger gefallen und du kannst dich darin wohler oder unwohler fühlen. Aber normalerweise sterben sie nicht aus. Das heißt, man ist quasi ein Leben lang in der Familie, selbst wenn sich die Wege später trennen. Daher wollte ich mal wissen, wie lange die Teilnehmer bereits in der Wahlfamilie sind.

Ein Anteil von 23,1 % sind seit mehr als 5 Jahren in einer Wahlfamilie. Genau gleich viele sind aber auch noch nicht mal 1 Jahr in einer Wahlfamilie. Die Mehrheit von 53,9% sind zwischen 1 und 3 Jahren Teil einer Familie.

Das ist zwar noch keine Ewigkeit und ich bin wirklich gespannt, ob diese langfristige Verpflichtung nun auch wirklich lange hält oder ob sie dann bald wieder weg ist… Aber wenn ich mir überlege, wie lange meine ersten schwulen Beziehungen gehalten haben, dann sind 3 Jahre ja doch fast eine Ewigkeit ;)

Ein Ersatz für die genetische Familie?

Teilweise sind Wahlfamilien ein Ersatz für die genetische Familie, z.B. wenn man die Heimat verlassen hat oder mit dieser kein gutes Verhältnis pflegt. Also nicht verwunderlich, dass gerade auch in der Kink- und LGBTQ-Welt Wahlfamilien ein Thema sind. Viele Menschen erfahren hier zuhause Unverständnis oder gar negative Reaktionen auf ihr Outing, sie werden diskriminiert in dem Dorf in dem sie leben oder sie fühlen nicht, dass sie sich dort entfalten können, wo sie geboren sind und ziehen dann in eine andere Stadt, manchmal eine Großstadt.

Die Wahlfamilie kann helfen und bietet dann ein passendes Umfeld, in dem man - ähnlich einer genetischen Familie - sich entwickeln und entfalten kann. Da die Mitglieder aber die Ergebnisse einer freien Wahl sind, kann man sich mit diesen eher identifizieren, gemeinsame Interessen verbinden, man kann offen sein und sich gegenseitig inspirieren und sich so weiterentwickeln.

In unserer Umfrage haben wir Euch gefragt, wie ihr zu eurer genetischen Familie steht. Bei diesem Teil haben wir nur Teilnehmer gefragt, die in einer Wahlfamilie leben und 8 haben geantwortet. Auf die Frage, ob sie mit ihrer genetischen Familie glücklich sind, haben lediglich zwei mit “ja sehr” geantwortet. Alle anderen waren eher neutral bis unglücklich mit ihrer leiblichen Familie. Und auch der direkte Vergleich zwischen Wahlfamilie und genetischer Familie war eher ernüchternd. Für einen war der Vergleich nicht möglich. Alle anderen waren sich einig: die Wahlfamilie ist für sie die einzig wahre oder würden sie sich zumindest im Zweifel ihrer genetischen Familie bevorzugen.

Das Ergebnis ist natürlich nicht repräsentativ. Aber zumindest für jene scheint die Entscheidung klar zu sein.

Der Aspekt der Wahl und weitere Vorteile

Auch wenn die Gemeinsamkeiten fundamental scheinen, so kommt bei der Wahlfamilie ein sehr wichtiger Aspekt hinzu: die Familienmitglieder sind nicht willkürlich zusammengewürfelt, sie wählen einander.

Meistens kann ein einzelnes Mitglied nicht alle anderen Mitglieder aussuchen. In Sonderfällen mag dies zwar so sein (zum Beispiel kann dies ein Master, wenn er seine Sklaven und Switcher darunter bestimmen), meistens gibt es aber formelle oder informelle Prozesse, wie die anderen integriert werden. Denn die bestehenden Mitglieder sind ja bereits Familie und für die Familie will man ja nur das Beste.

In jedem Fall kann aber das neue Mitglied immer selbst bestimmen, ob es überhaupt Mitglied der Wahlfamilie werden möchte oder nicht.

Wieso wollen die Menschen Mitglied einer Wahlfamilie werden?

Sicher hat jeder seine eigenen Gründe, wieso er in einer Wahlfamilie ist. Ich habe daher Euch gefragt und getrennt diejenigen mit einer Wahlfamilie denjenigen ohne einer Wahlfamilie gegenübergestellt. Sind die Erwartungen von denen, die in eine Wahlfamilie wollen, realistisch?

Vorab haben wir frei gefragt, was die wichtigsten Aspekte einer Wahlfamilie sind. Ich habe diese zu Kategorien zusammengefasst und es wurden primär Aspekte der folgenden 3 Bereiche genannt:

  1. Der Aspekt, dass man eine Wahl hat! (mit: 23,1% / ohne: 44,4 %):

  2. Akzeptanz und Zugehörigkeit, wie man ist (mit: 23,1% / ohne: 33,3%)

  3. Klassische Familienwerte, wie Informations- und Ressourcenaustausch, Arbeitsteilung, Absicherung und Unterstützung (mit: 30,7% / ohne: 11,1%)

Es ist interessant zu sehen, dass sich beide Gruppen grundsätzlich einig sind, dass die Punkte “Wahl” und “Zugehörigkeit” unter den Top3 Aspekten sind. Der wichtigste Punkt für diejenigen mit einer Wahlfamilie sind aber die “klassischen Familienwerte”. Dieser Punkt taucht bei denjenigen, die keine Wahlfamilie haben, jedoch lediglich ein einziges Mal auf und scheint somit relativ unbedeutend.

Vielleicht mag dies daran liegen, dass diese Menschen klassische Familienwerte derzeit nur von ihrer leiblichen Familie kennen. Vielleicht sind deren Erfahrungen dort eher nicht so gut und vielleicht ist die Wichtigkeit daher eher zurückgegangen. Vielleicht wird sich das ändern, wenn sie in einer Wahlfamilie sind und merken, dass klassische Familienwerte mit den gewählten Menschen plötzlich an Bedeutung gewinnen. Vielleicht sind solche Werte aber auch allgemein für diese Menschen (noch) nicht so sehr von Bedeutung. Leider gibt unsere Umfrage hierzu keine Antwort.

Auf die Frage “wie wichtig sind die folgenden Vorteile einer Wahlfamilie”, waren sich beide Gruppen einig, dass der Aspekt, dass man “für einen da ist, wenn man sie braucht!” wichtig oder sehr wichtig ist. Bei denjenigen ohne Wahlfamilie waren 100% bei “sehr wichtig”. Auch wenn dieser Aspekt bei denjenigen mit Erfahrung ein klein bisschen weniger wichtig ist (92,8% sehen diesen als wichtig oder sehr wichtig an),, so haben jedoch eine überwältigende Mehrheit von 92,3% bestätigt, dass dies “voll und ganz” zutrifft und der Rest zumindest dass dies eher zutrifft.

Ein sehr vergleichbares Ergebnis gab es auf die Frage, ob sie einem das "Gefühl der Zugehörigkeit” gibt. Dies wurde von 100% derjenigen ohne Erfahrung als wichtig oder sehr wichtig geprägt (84,6% derjenigen mit Erfahrungen) und von 100% derjenigen mit Erfahrungen bestätigt.

Ebenfalls 100% der Unerfahrenen und 92,3% derjenigen mit Erfahrungen gaben die “Hilfe bei der persönlichen Entwicklung” als mindestens “wichtigen” Faktor an. 86,7% derjenigen mit Erfahrung haben bestätigt, dass dies auch zutrifft.

Die Frage, wie wichtig “Tipps und Informationen” sind, wurde von der Gruppe mit Erfahrung eher gespalten beantwortet und einige fanden dies “sehr wichtig”, andere eher “geht so”. Liegt dies vielleicht daran, dass manche Wahlfamilien einfach sehr gute Informationsquellen sind und andere vielleicht eher weniger? Wie dem auch sei, bei jenen ohne Wahlfamilie war hingegen eine klare Mehrheit bei “wichtig” (66,7%). Vielleicht wird sich deren Meinung dann, je nachdem in welche Wahlfamilie sie kommen, in die eine oder andere Richtung verschieben.

Die Kehrseite der Medaille?

Wo Licht ist, fällt auch Schatten. Wir haben euch daher nach der Kehrseite der Medaille gefragt. Auch wenn die meisten (33,3%) keine klaren Nachteile benennen konnten oder sahen, so wurden folgende 4 Punkte jeweils von 16,7% genannt:

  • Es fehlt ein Fundament, bzw. muss man dieses erst aufbauen (2x)

  • Es gibt eben auch Konflikte und Streitereien (2x)

  • Dass man viel reden und sich austauschen muss, was Zeit und Energie braucht (2x)

  • Akzeptanzprobleme in der restlichen Gesellschaft und bei der genetischen Familie (2x)

Gefühlt muss ich aber sagen, dass die ersten drei Punkte auch bei den genetischen Familien zutreffen, zumindest meine, steht meiner Wahlfamilie in nichts hinterher, was Konflikte, Gesprächsbedarf und unterschiedliche Wertvorstellungen betrifft. Ja, wir tragen die gleichen Gene, aber dies scheint uns nicht wirklich zusammen zu schweißen oder ein gemeinsames Fundament zu geben…

Aber der letzte Punkt, die gesellschaftliche Akzeptanz, ist definitiv ein Problem, dem wir uns zu häufig bereits entgegen stellen mussten und der uns vielleicht sogar erst in die Wahlfamilie gebracht hat. Aber selbst wenn die Wahlfamilie gesellschaftlich aneckt und nicht akzeptiert wird, so kann man zumindest sagen, dass man gemeinsam in der Familie das Problem hat und aushält und nicht innerhalb der Familie sich behaupten und gegen diese ankämpfen muss. Daher hat mich auch interessiert…

Wie schafft ihr es, die Verbindung innerhalb der Wahlfamilie aufrechtzuerhalten?

Ihr habt es benannt, was ihr macht, um euch verbunden zu fühlen!

Nicht sonderlich überraschend auf dem ersten Platz ist: Kommunikation (46,2%)! Dabei aber nicht nur Reden, sondern alle Wege, die dazu gehören, wie Zuhören, das Ansprechen von Problemen, non-verbale Kommunikation, über Gefühle zu sprechen oder Gruppengespräche.

Ebenfalls auf dem ersten Platz und aus meiner Sicht als Coach auch nicht weniger wichtig ist die gemeinsame Zeit. Dabei ist es egal, ob ihr zusammen Sport macht, Business oder Fistet. Wichtig ist euch dabei auch der körperliche Kontakt und die Aktivität, wobei sexuelle Handlungen weit weniger häufig genannt wurden, als man denken mag.

Auch toll ist es, dass ihr auf weitere wichtige Aspekte eingegangen seid. In der Nennungshäufigkeit sind diese zwar viel geringer, aber sie sind dennoch sehr wichtig, wie “Vertrauen”, “anderen zu verzeihen”, “über Fehler hinwegsehen” oder “sich selbst zu reflektieren”.

Im Paar Coaching nennt man solche Aspekte auch das Wohlwollen, also die Bereitschaft, die eigenen Zweifel und Bedürfnisse hinten anzustellen, nicht alles auf eine Goldwaage zu legen und Dinge positiv zu interpretieren oder ins Positive zu kehren. Wenn ihr ein hohes Wohlwollen gegenüber eurem Partner oder Eurer Familie pflegt, wird die Beziehung langfristig weiter florieren. Andersrum ist Feindseligkeit, das Gegenstück zu wohlwollen, ein statistisch relevanter Indikator dafür, dass eine Beziehung kriselt. Spürt ihr sie, solltet ihr also darüber reden. Habt ihr hingegen wohlwollen, so verbringt mehr Zeit miteinander, um eure Verbindung weiter zu stärken.

Ein Fazit

Sicher mag jeder eine eigene Meinung dazu haben, was für ihn die Familie ist und mit welchen Menschen er sich hier umgeben möchte. Für mich sollte eine Familie einen immer so akzeptieren, wie wir sind und uns dabei unterstützen, derjenige zu werden, der wir wirklich sind. Sie sollten uns nicht verformen und verbiegen, uns nicht abschotten oder Schranken setzen, sondern uns die Kraft und Energie geben, die wir brauchen, um uns voll zu entfalten. Sie sollte aber auch da sein, wenn wir sie brauchen und uns halten und auffangen, wenn wir fallen. Wer dieses soziale Netzwerk aus Menschen gefunden hat, der sollte mit Wohlwollen stetig an ihm arbeiten, Probleme ansprechen und Zeit und Energie seinerseits investieren. Nur so schaffen wir auch für andere die gleichen oder sogar bessere Möglichkeiten, sich zu entfalten, wie wir dies für uns wünschen.