Den passenden Bondagepartner zu finden ist gar nicht so leicht. Es passt nicht, es herrscht kein Vertrauen, er lebt viel zu weit weg, um sich einfach mal zum Üben zu treffen oder man hat einfach keinen. Gründe gibt es viele und hier langfristig den Richtigen zu finden ist immer mit vielen Mühen verbunden. Anders ist es meistens, wenn man bereits erfahren ist und viele Bondage Bunnies dann gerne von einem gefesselt werden wollen. Aber wie kommt man erst mal zu dem Punkt, wo man als erfahren genug gilt?


Daher werde ich immer wieder gefragt, ob man (oder Frau) beim Bondagekurs auch ohne Partner/in mitmachen kann. Dies ist natürlich kein Problem! Normalerweise findet sich immer spontan jemanden vor Ort. Gerade in Zeite von Corona ist dies aber nur mit einer Mund-Nase-Bedeckung möglich und im Online-Kurs ist dies gar nicht umsetzbar. Bei den letzteren biete ich daher viele Fesselungen auch als Self-Bondage Versionen und Trockenübungen an. Man kann sich aber auch mit Haushaltsgegenständen behelfen oder eine Bondagepuppe machen. Die zuletzt Genannte ist dabei eine sehr gute Lösung und man kann bis zu einem hohen Niveau üben, ohne (zumindest ohne durchgängig) einen festen Partner.


In diesem Artikel erfahrt ihr:

  • Übersicht an Möglichkeiten für Bondage ohne festen Partner

  • Reine Trainings-Partner

  • Trockenübungen

  • Gegenstände fesseln

  • Self-Bondage

  • Bondage-Puppe

  • Was kann man alles als eine Bondagepuppe verwenden?

  • Wie man sich selbst eine Bondage-Puppe machen?

  • Was sind die Vorteile und Nachteile einer Bondage Puppe?



Übersicht an Möglichkeiten

Bevor wir uns genauer der Bondage Puppe zuwenden, werden uns zunächst mal die anderen Möglichkeiten anschauen.


Der Trainingspartner

Klar ist dies immer der beste Weg. Idealerweise, der feste Bondagepartner. Das muss nicht zwangsweise der feste Freund sein oder es muss ein perfektes Match sein, aber irgendwie sollte es eben schon passen. Wenn man als Rigger erfahren ist, dann ist es meist ein leichtes auch einen passenden Partner/in zu finden. Ein guter Ruf vorausgesetzt, begeben sich selbst andere dominante Personen gerne in die Hände des Experten, um das Erlebnis und die Hingabe zu erfahren. Denn gute Rigger sind selten. Wer fleißig am Üben ist und nicht nur den Kurs besucht, sondern auch privat trainiert, sollte schnell auf einem guten Niveau sein. Ein paar gute Bilder der eigenen Arbeit auf der ein oder anderen einschlägigen Plattform (FetLife, PlanetRomeo, Recon, usw.) und das ganze sollte sehr schnell laufen. Am Anfang aber, wenn man noch unerfahren ist und nur wenig Referenzen vorweisen kann, ist es dann doch schwerer jemanden zu finden, der einem vertraut und sich fallen lassen will. Daher ist hier häufig eine Alternative erforderlich.


Trockenübungen und Motive

Wenn man niemanden zu üben hat, was soll man tun? Natürlich sind Trockenübungen die einfachste Variante. Ganz ohne Partner ist (Zier-)Knoten üben immer eine wichtige Sache. Nicht nur dass man diese, teilweise sehr komplexen Knoten später besser kann und mit einem Partner dann wesentlich kompetenter rüberkommt, sondern ist jede Arbeit mit dem Seil eine gute Übung und bringt ein besseres Gefühl. Man lernt quasi, wie das Seil fällt, wann es leichter geht und wann schwerer. Dabei gibt es sehr aufwändige und schöne Zierknoten, die man wenn man sie vorher nicht regelmäßig übt wohl spontan gar nicht hinbekommt.


Gegenstände fesseln

Aber wer nun nicht nur Armbänder flechten will, der kann sich auch den eigenen Fuß oder ein Stuhlbein nehmen, um hier die Wicklungen zu üben. An Möbeln kann man dabei besonders gut üben und neben den Basisknoten auch die Seilführung und die Verbindung von Seilen. Dabei kann man an Gegenständen, wie einer Stuhllehne schon fast einen Oberkörper nachempfinden, Arme oder Beine an Rohren, usw. Aber auch einfach mit Seil zwischen Gegenständen zu arbeiten kann bereits viel Spaß machen und triggert die Kreativität und die Erfahrung, die man später für den Partner benötigt.


Auch bei Möbeln immer Consensual spielen ;)

Self-Bondage*

Selfbondage ist nicht nur eine Nothilfe, um den Partnermangel auszugleichen, sondern auch ein wichtiges Trainingstool für jeden neuen Rigger, um die richtige Spannung zu erfahren und das Seil-Feeling auszuprobieren. Man erfährt wortwörtlich am eigenen Leib wie es sich anfühlt, man spürt jeden Fehler sofort und kann somit direkt sagen, ob etwas gut oder schlecht ist. Dies ist besonders von Vorteil, wenn beide Parteien neu sind und daher auch der Sub nicht richtig einschätzen kann, ob alles gut ist oder ob nicht. So manche Beschwerde des Subs wird dem Top dann auch klarer und verständlicher und er kann selber besser einschätzen, welche Situationen besonders unangenehm sind. Im Kurs werden hierfür extra Übungen erklärt, die man dann in aller Ruhe zuhause nutzen kann, um seine Bondage Skills aktiv zu verbessern.


* Achtung: hier ist mit Self-Bondage nicht das erreichen der tatsächlichen Wehrlosigkeit gemeint, sondern vielmehr die Arbeit mit dem Seil am eigenen Körper, ohne dass man hierbei wehrlos wird. Meint man es jedoch ernst mit sich selbst, so sollte man stets eine Sicherheitsschere in erreichbarer Nähe habe, um sich für den Fall der Fälle wieder frei zu schneiden!



Die Bondagepuppe

Self-Bondage hat aber seine Grenzen und nicht jede Fesselung ist wirklich als Selfbondage umzusetzen. Denn wenn die Hände erstmal gefesselt sind, wird es meistens schwer. Daher ist die Bondagepuppe eine tolle Hilfestellung. Dabei gibt es aber sehr viele unterschiedliche Modelle und Möglichkeiten einer Bondagepuppe.



Welche Bondage Puppen gibt es?

Zunächst mal ist damit nicht die kinky Barbie Puppen Kollektion von Etsy gemeint, auch wenn Ken mit Ständer sehr nice ist ;-P


Eher passend, sind die menschengroßen Sexpuppen. Ich konnte diese zwar noch nie testen, aber scheinen sie von der Anatomie sehr korrekt nachgestellt zu sein und ich würde erwarten, dass Gelenke und Knochen korrekt sind. Fraglich ist, wie robust die Haut gegenüber rauem Seil und Ropemarks ist. Sie werden zwar keinen Bluterguss haben, aber da wo die menschliche Haut kleine Risse und Wunden schnell regeneriert, wird in der Soft Skin hingegen langfristig ein Problem bleiben.


Diese Profi-Puppen kosten leicht ein bis mehrere Tausend Euros und sind für unseren Zweck somit völlig überzogen. Was aber mit der klassischen Aufblaspuppe? Eigentlich schon mal sehr gut, was Preis und Leistung angeht. Großer Nachteil aber, dass Gelenke und Knochen nicht vorhanden sind und wir somit auch viel Unrealistisches machen können und sich die Puppe nicht wie ein menschlicher Körper verhält.


Ähnliches gilt übrigens auch für Riesen Plüschtiere, wie diesen. Durch das feste Futter sind sie dem echten Bondage-Partner näher, aber immer noch weit entfernt von der menschlichen Anatomie. Dafür schauen Sie aber so süß aus. Wer nun aber nicht besonders gut beim Schießen auf dem Jahrmarkt ist muss dann doch schon etwas in die Tasche greifen, wie zum Beispiel hier.


Eine Schaufensterpuppe vor allem auf dem Trödel oder auf Kleinanzeigen ist definitiv eine preiswertere Alternative. Je nach Ausführung kann sie den gesamten Körper umfassen. Sie ist aber starr und meistens sind nur wenige Gelenke beweglich. Für die meisten Fesselungen somit keine Option. Außerdem hält an der glatten Außenhaut ein Seil nur sehr schlecht und rutscht leicht ab. Somit ist eine realitätsnahe Fesselung kaum möglich.





Ähnliches gilt für die Schneiderpuppe. Häufig fehlen ihr die Extremitäten. Vollständige und voll bewegliche Modelle sind hingegen sehr realitätsnah und durchaus eine adäquate Lösung. Auch die Außenhaut ist meist weich und erlaubt ein wesentlich realeres FesselgefühlMan muss hier aber auch mit mehreren Hundert Euro rechnen, was aber für den echten Fessel Liebhaber durchaus akzeptabel ist. Ein Beispiel ist hier zu finden: https://www.aktionsangebote.de/product_info.php/info/p3229_Schneiderpuppe-Maennlich-Beweglich-Bewegliche-Arme-grau.html


Um die fehlenden Extremitäten bei den beiden genannten Puppen passend nachzubilden, kann man mit Schlauch und Rohrisolierer Arme dran basteln. Cool hierbei ist, dass man beim Schlauch an den Stellen der Gelenke mittels Einschnitten die Flexibilität erhöhen und an den Stellen der Knochen mittels Stöcken diese stabilisieren kann. Anschließend kommt noch die Rohrisolierung drum rum, wobei diese an den Gelenken ausgespart wird. Ein Sweater oder Pulli drüber und schon ist die Puppe fertig.


Meine Empfehlung und eine noch einfachere und günstigere Alternative, die man meist komplett ohne Zukauf weiterer Sachen hinbekommt ist die folgende:


Die selbstgemachte Bondage Puppe aus Haushaltsgegenständen

Man nimmt einen Besenstiel, wickelt drumherum eine Bettdecke für den Torso und packt das ganze in ein Sweatshirt (idealerweise mit Kapuze). Für die aufrechte Haltung kann man den Besenstiel mit Kabelbinder oder Klebeband an einen Stuhl, ein Tischbein oder ähnliches binden. Will man die Puppe im liegen fesseln, so kann dies weggelassen werden. Die Arme stopft man mit je zwei leeren PET Flaschen aus. Die Gelenke befinden sich dann zwischen den Flaschen und die Flaschen selbst simulieren die Knochen. Die Kapuze des Sweat wird mit einem Teil der Decke oder einem langen Kissen, das bis in den Körper geht, simuliert. Die Kapuze vorne zuziehen und der Kopf ist relativ stabil…


Für alle Fesselungen im Sitzen, Stehen oder Liegen ist diese Version bereits wunderbar ausreichend und man braucht meistens nichts Neues mehr zu kaufen. Wer auch die Beine integrieren möchte, sollte das gleiche Prinzip auch auf eine Sporthose anwenden. Dabei ist darauf zu achten, dass der Besenstiel nicht die Beine beim Einknicken blockiert. Es kann also sein, das man ihn kürzen muss. Verzichtet man hingegen darauf ein Bein an zu winkeln, kann er hier mit den PET Flaschen weitergeführt werden und zusätzlich stehen.





Möchte man Hände simuliere, so muss man zusätzlich mit Handtüchern ausgestopfte Handschuhe aus den Ärmeln herausschauen lassen. Man kann die Handtücher um die PET Flaschen legen, um diese so zu befestigen.


Wenn man sie regelmäßig und fest nutzen möchte, macht es Sinn die einzelnen Teile mit Kabelbinder oder Klebeband fest zusammen zu bringen.



Vor & Nachteile der Bondagepuppe

Die selbstgemachte Bondagepuppe aus Haushaltsgegenständen hat quasi die Anatomie eines Mensch mit Torso, Armen, Beinen und Kopf, evtl. sogar dem Unterkörper und Händen. Man kann sie hervorragend zum Fesseln üben verwenden, egal ob im Stehen, Sitzen oder Liegen. Man kann die Seile wie bei einem echten Menschen anlegen und die Seilführung entsprechend üben. Die Gelenke werden durch die Leerräume gut nachempfunden.



Natürlich gibt es aber auch Nachteile. Die Puppe kann weder eine Position halten, noch sich bewegen. Das Fesseln eines sich wehrenden oder bewegenden Subs wird hierbei also nicht geübt. Auch wird sie wird dem Fesselnden also aus den Händen gleiten. Dies ist besonders dann der Fall, wenn man gegen sie stößt. Man wird also beim Fesseln mit der Puppe versuchen, kein Druck auf diese zu geben und diese quasi unberührt zu lassen. In einer realen Session ist dies aber durchaus gewünscht und die menschliche Bewegung auf dieser Ebene kann nicht nachgebildet werden.


Außerdem hat die Puppe keine Knochen, Nerven oder Gelenke und man kann, die einzelnen Teile daher auch unnatürlich bewegen. Auch hat die Puppe keine Nerven und keine Haut, die man einquetschen kann. Sie wird also kein Feedback geben, ob man etwas gut oder schlecht, zu fest oder zu locker macht. Hier kann aber das bereits weiter oben erklärte Selfbondage helfen, wo man eben dies hervorragend üben kann!


Ganz prinzipiell fehlt der komplette menschliche Anteil. Stimme, Austausch, Kommunikation, egal ob verbaler oder nonverbaler Natur gibt es einfach nicht. Weder im positiven, noch im negativen Sinne.


Fazit

Man kann sagen, dass die Bondagepuppe eine sehr gute Möglichkeit ist, um Bondage ohne Partner zu lernen. Sie wird natürlich nie an den Lernerfolg und auch den Spaß mit einem echten Partner heran kommen. Sie ist aber eine super Übungsmöglichkeit um die reine Technik zu lernen, wenn man in Kombination mit Selfbondage auch das sonst ausbleibende Feedback zum Feeling erfährt. Man darf jedoch nie vergessen, dass wir später einen Menschen vor uns haben werden mit ganz anderen Bedürfnissen, als nur einer ordentlichen Seilführung. Diese emotionalen und interaktiven Elemente kann man nur mit dem jeweiligen Partner erfahren, lernen und üben. Wenn man aber die Knoten und technischen Grundlagen dann schon beherrscht, ist dies aber besonders vorteilhaft, da man sich dann voll auf den Partner konzentrieren kann.


Jährlich im September treffen sich überwiegend Schwule, aber auch etliche anders orientierte Fetischisten in Berlin, um Folsom Europe zu feiern. In Zeiten von Corona, ist das offizielle Straßenfest so wie die großen Parties aber abgesagt worden, und die offizielle Veranstaltung wurde ins Internet verlegt. Die meisten Teilnehmer haben aber bereits ein Jahr im voraus Hotels und Flüge gebucht. Entsprechend hoch war das Aufkommen an Gästen in Berlin und viele kleinere Events haben die Folsom dieses Jahr zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht!


Zunächst aber mal zum Livestream. Hier hat sich das Team eine riesen Aufgabe gemacht und 32 Stunden gestreamt. Im Stream waren live dabei Szene-Vertreter, Politiker, Aktivisten, Showacts, Titelträger, sowie Unternehmen, Vereine und Organisationen aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Live Schaltungen zu verschiedenen anderen Events, die parallel in Berlin stattfanden lockerten die Studio Atmosphäre auf (später mehr hierzu). Außerdem gab es verschiedene Grußworte aus der ganzen Welt, die jeder hätte einreichen können, sowie Bondage und Fetisch Videos. Durchgängig gab es parallel einen DJ live Stream, der auch das Party Feeling in die Wohnzimmer brachte. Mit dem Livestream wurden insgesamt 10.000 Zuschauer weltweit erreicht und durch die Verbreitung in den nächsten Wochen auf Facebook und YouTube werden noch weit mehr Views erwartet. Hierfür wird das Material aber nochmals aufgearbeitet und den sozialen Netzwerken entsprechend angepasst. Alain Rappsilber, Vorstand des Folsom e.V. "mit der Umsetzung des Livestreams waren wir sehr zufrieden, nur über die Spendenbereitschaft der Zuschauer waren wir enttäuscht. Mit knapp 500 € ist es schwierig solche Aktivitäten langfristig aufrechtzuerhalten. Wir werden im nächsten Jahr aber auf jeden Fall weitermachen und hoffen dann auf bessere Zeiten!"


Bilder-Gallerie auf Facebook


Neben den Online Events gab es aber auch etliche kleinere Events und Outdoor Parties. So wurde beispielsweise am Freitag die B:east Folsom Special gefeiert im Magdalena Club, alles natürlich unter Corona Auflagen, mit Abstandsregelung und unter freiem Himmel. Bereits nachmittags ging sie los und entsprechend früh - wie geplant - war die Veranstaltung auch wieder zu Ende. Hier nahmen insgesamt 700 Leute teil. Die anschließende Revolver Party, wurde aber nur noch im Livestream direkt aus dem KitKat Club übertragen. Natürlich gab es auch hier entsprechende Fetisch Performance welche die Gäste neben den super DJs weiter auf Stimmung gebracht hatte.


Die lokalen Szenekneipen waren wie immer gut gefüllt. Alle Wirte hatten hier passende Hygienekonzepte vorbereitet und das Wetter ließ auch Outdoor viel zu. Die Lokale waren voll, aber der Abstand wurde stets gewahrt. Die Rücksprache mit den Gästen ergab, dass sie sehr viel Spaß hatten und es trotz den Einschränkungen die Folsom genießen konnten. Mir ist keine Stimme zu Ohren gekommen, die sich wirklich darüber beschwert hätte. Wahrscheinlich sind diese einfach gar nicht unterwegs gewesen, oder zumindest nicht in mein Interview Bereich geraten.

Bilder by CommuniGAYtion


Kink und Fetisch gehören aber auch immer zu Folsom dazu. Definitiv eine der schwereren Angebote in diesem Jahr. Mit der Guerrilla Bondage Aktion des gay-BDSM.club wurde hier aber ein Zeichen gesetzt. Knapp 30-40 Bondage Fans hatten sich zusammengefunden und sind durch die Straßen von Schöneberg gezogen. An mehreren Stationen wurden die Rope Subs an Straßenschilder, Laternenmasten, vergitterte Schaufenster, oder ähnliches gefesselt. Auch hier galt natürlich Anmeldepflicht, physische Distanz, Maskenpflicht bei haushaltsfremden Partnern, sowie Zuschauer-Trauben ab einer gewissen Menge zu verhindern. Da es außerdem im öffentlichen Raum stattfand, wurde natürlich sehr auf die guten Sitten geachtet und es wurde als eine reine Aktion zur Sichtbarkeit durchgeführt, auch wenn alle Beteiligten sehr viel Spaß dabei hatten.


Folsom ist immer auch Kunst. In diesem Jahr gab es hierfür eine ganz spezielle Ausstellung von Prideart, nämlich die unbound Vernissage, wo 30 lokale und internationale Künstler ausstellten. Dabei war ein großer Outdoor-Bereich angelegt, und in die Ausstellungsräume durften immer nur maximal 15 Personen mit Maske gleichzeitig rein. Neben vielen Fotos, Gemälden, Skulpturen und Videokunst, gab es auch eine kleine Tanzfläche mit DJ (auch hier wurde die Musik pausiert, wenn sich die Menschen eng aneinander drängten) und live Performances unter anderem von der Kinky in Wonderland, mit Bondage und Livegesang. Stets wurde sorgfältig auf die Einhaltung aller Corona-Regeln und des Hygienekonzeptes geachtet. Dass dieses Konzept erfolgreich war zeigte auch, dass ein dort im nachhinein aufgetretener Fall, zu keinen weiteren Infektionen führte.

Bilder bei Talisim


Als krönenden Abschluss gab es am Sonntag noch eine Sonderversion der Teegesellschaft, die Tea Time im Park. Bei dem Fetisch Picknick wurde gefesselt, es gab Spiele für die Petplayer und einige Shows, welche zu einer heiteren Stimmung beitrugen. Natürlich wurde auch hier mit Picknickdecken und Abstandsregeln und Anmeldungen gearbeitet. Und so ging, mit Spaß und guter Laune, eine etwas andere Folsom zu Ende.


Bilder bei Puppy Blümchen


Zusammenfassend darf man sagen, dass es dieses Jahr ganz anderes war. Viele Freunde und bekannte Gesichter hat man endlich wieder gesehen einige hat man aber auch vermisst. Die zusätzlichen Regeln haben es nicht leichter gemacht. Schaulustige blieben weg, das gute Gefühl aber stolz auf seinen Fetisch zu sein blieb. Und so schauen wir nun - mit guten Gefühlen aufgeladen, Vorfreude und Sehnsucht - auf die nächsten Events, die auf uns warten, hoffentlich mit besseren Umständen in 2021.


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Geschichten aus dem Kink Coaching Alltag

“Ein frecher Balk braucht eine saftige Strafe!” oder “Braver Bub, das hast du gut gemacht.”

Das mag zwar auch ein Zitat aus einem veralteten Erziehungshandbuch für überforderte Eltern sein, doch wäre es ein absolut zeitgemäßer Auszug aus einer Play Session zwischen einem Daddy und seinem Little.


Als kink Coach treffe ich immer wieder auch auf Beziehungsprobleme, wie im folgenden Beispiel eines Littles oder konkreter eines Brats und dessen Freund, bzw. Daddy. Aber bevor ich hier genauer darauf eingehe, was kannst du im Artikel erwarten?


  1. Allgemeines zu Age Play

  2. Die Rollen Little, Brat und Daddy/Mummy

  3. Die Problem-Situation des Pärchens

  4. Über die Erfüllung der Wünsche des Partners

  5. Wie kann man



Wie funktioniert das Age Play

Little, Brat, Daddy und Mummy sind Rollen im Age Play. Dies ist dabei keine Form der Pädophilie oder von Päderasten, sondern ein Rollenspiel, wo sich die Teilnehmer in einen Headspace begeben, in dem sie ihr inneres Kind freilassen können, bzw. die fürsorgende Rolle eines Elternteils einnehmen. Das Rollenspiel kommt dabei komplett ohne BDSM und sexuelle Aspekte aus, wobei je nach Varianten diese auch integriert werden können. Das Tatsächliche Alter hat dabei keinen Einfluss auf das Gespielte alter und real-Jahren gerechnet kann der Daddy jünger sein, als das Little.


Was ist ein Little?

Ein sogenanntes Little ist ein Age Player*in, der sich gerne in die Rolle eines sehr jungen Menschen versetzt. Je nachdem wie jung das Little ist, trägt es gerne Windeln, hat häufig ein großes Kuscheltier zum Schmusen, spielt gerne mit Bauklötzen, Puppen oder anderen Spielsachen, verhält sich kindisch und albern, macht manchmal in die Windel, Schläft im Laufstall oder Kinderbett, wird Gewickelt, kleckert beim Essen und genießt in gewisser Weise die ersten Jahre seines Lebens wieder. Möglichkeiten gibt es viele. Manche können dabei bereits reden, andere gar nicht oder verwenden Kindersprache. Dabei muss das Little kein Baby sein, aber sieht sich eben als ein Mensch am Anfang seiner Entwicklung und genießt die dabei einhergehende Leichtigkeit.


Was ist ein Brat?

Eine besondere Form des Little ist das Brat, also das Gör oder der Bengel. Es ist quasi die freche Form des Littles, welches den Daddy oder die Mummy gerne ärgert. Das Brat hat einen eigenen Kopf, mag aber durch physische und psychische Dominanz diesen gebrochen zu bekommen und kontrolliert zu werden, sprich Erziehung. Konkret kann dies durch klare Worte, Befehle, Regeln, Strafandrohung und Umsetzung oder Ähnliches erfolgen.


Was ist Daddy oder Mummy?

Das Gegenstück ist der Daddy oder die Mummy. Diese Rolle kümmert sich um das Little, kuschelt und schmust, gibt Regeln und Erziehung, räumt den Saustall hinterher auf, ist vom Brat genervt, ist mal lieb und mal böse zum Little… So eben, wie die Eltern nun mal sind oder sein sollten.


Age Play ist damit aber noch bei weitem nicht abgeschlossen und es gibt viele Varianten davon, sei es mit Grannys, Puppys, Furrys, Schutzengeln, Lolitas/Schulmädchen oder ähnlichem. Ich persönlich mag zum Beispiel die Vorstellung als gemeiner großer Bruder meinen jüngeren Bruder zu ärgern. Er himmelt mich an und ich nutze das aus ;)




Die Situation

Jedes Kink Coaching ist anders und wird auf die jeweiligen Partner hin angepasst. Das folgende Beispiel ist mit Einverständnis der Protagonisten entstanden. Die Namen, Details und Vorlieben wurden angepasst, um keine Rückschlüsse auf deren Person zu ermöglichen.


In der Beratung geht es um das Problem zweier Kunden, die ihrerseits Sub und Switcher sind. Beide haben interesse an kink und BDSM und hierbei viele Gemeinsamkeiten. Eine gemeinsame Vorliebe ist das Little, bzw. Brat und Daddy Play, wobei sie sich in den Ausprägungen unterscheiden.


“A” ist Sub und in unserem Fall das Little oder das Brat. Er hat einen eigenen Kopf, mag es aber dominiert zu werden und gegen seinen Widerstand in die gewünschte Bahn gelenkt zu werden. “A” sucht dabei langfristige Erziehung. Sein Ansatz ist “ich bin frech und unleidig, bis du dich um mich kümmerst”. Er wünscht hiermit Aufmerksamkeit, aber auch das Gefühl jemanden zu haben, der ihn in die Schranken weist und sich um ihn kümmert. Er selbst mag es dabei nicht frech zu sein. Es geht ihm um die Gegenreaktion seines Doms, die sowohl Aufmerksamkeit, Nähe und Zuwendung, aber auch Führung, Orientierung, klare Ansagen und mehr fordert. Wenn er sich dann wie vom Dom gewünscht verhält, fühlt er sich gut. Wenn der Dom aber nicht reagiert, wird er frecher und frecher, was er selber aber gar nicht mag.


“B” ist Switcher. Er kann sehr dominant sein, mag es aber auch selbst dominiert zu werden. In der Beziehung sieht er sich als Daddy, ist hier aber noch unerfahren. “B” hat sich nun an mich gewandt, mit der Frage wie er dominanter sein kann. “B” ist für “A” nicht dominant, bzw. nicht konsequent genug und “A” wird somit immer frecher und frecher, wobei er sich hierbei eben nicht gut fühlt. Mehrere Versuche, in denen “A” “B” erklärt hatte, wie es geht, sind nach kurzer Zeit eingeschlafen und “A” wurde erneut frech.


Als Daddy wird von Partner “B” erwartet, dass er sein Little liebt hat und sich um dieses kümmert was mit seinem Interesse als sein Freund super einher geht. Der strenge Erzieher ist der Switcher aber nicht von natur aus und er muss diese Rolle spielen. Er spielt sie zwar gerne, aber muss er eben durchgängig darauf achten. Außerdem führt die frech-dominante Art von “A” dazu, dass “A” dominanter wirkt und “B” nachgibt, der es ja prinzipiell auch nicht uninteressant findet von seinem Freund dominiert zu werden.


Das Problem der Rollenspiele

Das Problem der Rollenspiele ist, das es quasi ein Spiel ist. Man nimmt für eine gewisse Zeit eine bestimmte Rolle und damit einhergehend die Geisteshaltung ein. Meistens ist dies aber nicht unsere natürliche Geisteshaltung. Wenn wir die Rolle gut verinnerlicht haben, können wir sie leicht und somit auch länger aufrecht erhalten. Wenn wir uns in der Rolle aber unsicher sind, so ist das aufrechterhalten mit Anstrengungen und Mühen verbunden. Es erfordert eine stetige Aufmerksamkeit zu dem Thema, wodurch wir uns nicht erholen und fallen lassen können.


Anders ist dies, wenn wir uns voll mit der Rolle identifizieren können, wenn wir die Rolle so gut kenne und können, dass wir sie quasi leben. Wenn wir nicht das Glück haben, dass wir unsere Rolle auch mit der Alltags-Person verknüpfen können, spielen wir dann eher im Alltag und leben im Rollenspiel unser inneres Selbst aus. Aber das wird nun philosophisch…


Wenn wir ein Rollenspiel machen, dann ist dies wie bei einem Schauspieler, wir können sie erlernen und Text, Handlungen und Charaktereigenschaften einstudieren und erlernen oder wir können den Charakter zum Leben erwecken, indem wir die Eigenschaften, Charakterzüge und Eigenarten verinnerlichen, aufnehmen und Text und Handlung sich dann quasi von alleine ergeben (sorry an alle Schauspieler, falls ich dies mit meinem Überschaubaren wissen fehlerhaft dargestellt habe).


Man muss also entweder das eine oder das andere können. Man muss also entweder Handlungen, Worte und typische Reaktionen erlernt haben oder man muss den Charakter verinnerlicht haben.




Wie kann die Beziehung damit umgehen?

Natürlich haben ich verschiedene Spielarten vorgeschlagen und Tipps für gutes DOM-Verhalten gegeben. Sie haben viel ausgetestet und konnten viel neues Ausprobieren und mehr Schwung in das Spiel bringen. Man muss aber sagen, Wir dass “B” nicht den Charakter des Daddys oder des Dom-Only inne wohnt. Temporär ist er super darin und die beiden haben hierdurch tollen neue Input für die Session erhalten. Aber es bleibt eben eine Rolle, die genauso zur Geltung kommen will, wie seine Sub-Seite. Langfristig kann er das Spiel nicht aufrecht erhalten. Folglich haben wir das Gespräch fortgesetzt.


Auch wenn eine langfristig erfolgreiche Beziehung viele Kompromisse bedarf, so sollten wesentliche Bedürfnisse nicht unterdrückt werden. Es belastet “A” bereits heute, dass er sich hier nicht verwirklichen kann und er merkt, wie sich dies negativ auf seinen eigenen Charakter und die Beziehung auswirkt. “B” verstand, dass er langfristig nicht die gewünschte Rolle übernehmen kann. Eine Trennung war für beide natürlich keine Lösung und nur das letzte Ziel. Die beiden haben sich daher darauf geeinigt für “A” eine Art Ersatz-Eltern-Part zu finden, der die Erziehung langfristig übernehmen kann.


Hierbei ist es wichtig, dass die gemeinsame Anforderungen, wie auch die Rahmenbedingungen zur Öffnung der Beziehung in diesem Bereich gemeinsam besprochen und festgelegt werden, so dass sich kein Part übergangen fühlt oder ausgebremst wird.


Wo finde ich weitere Informationen?

Es ist aber nicht ganz leicht eine Mummy oder einen Daddy zu finden und bisher wurde nur ein Übergangsperson gefunden. Es ist aber ein weiterer Schritt in die richtige Richtung und für eine langfristig funktionierende und erfüllte Beziehung. Wir haben uns übrigen bisher auf verschiedenen Little, Brat und Age Play Gruppen auf FetLife, JoyClub und Facebook umgeschaut und werden natürlich auch die schwulen Medien, wie Romeo und Recon integrieren.


Natürlich kann man auch bei naheliegenden Fetischen, wie dem Windelfetisch fündig werden. Neben den online Medien gibt es auch Stammtische und Events zum Thema. Für die Suchmaschinen sind dabei folgende Begriffe hilfreich: Age Play, Little, Brat, AB/DL, Adult Baby, Diaper Lover, Windelliebhaber, TB, Teen Baby



Du hast Fragen oder Anregungen zum Artikel? Du hast eine Fragestellung an den Kink Coach oder suchst eine individuelle Beratung? Dann kontaktiere uns!


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Office: Mollstr. 2, 10178 Berlin, Germany - Europa

Events: siehe Eventbeschreibung / read event description

E-Mail: info@gay-BDSM.club

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