• Dan Apus Monoceros

Puppy Play

Zwischen Community und einem persönlichen Erlebnis

by Dan Apus Monoceros (Sex-, Kink- und Beziehungs-Coach)


Puppys sind mittlerweile fester Bestandteil der Community. Sie haben ihre eigenen Stammtische, Events und Kommunikationskanäle geschaffen, sind aber auch Teil von anderen Communities. Egal ob auf Prides, auf Parties, auf Fetisch Events oder in den Szene-Kiezen. Puppy Play kann Identität und Zugehörigkeit bedeuten, es kann aber auch etwas ganz persönliches und privates sein, welches das Puppy für sich alleine oder mit seinen Partnern_Innen genießt. Aber immer wieder werden Puppys auch öffentlich negativ dargestellt, stigmatisiert und ausgegrenzt, teilweise sogar innerhalb der Community und in etwas angepasster Form auch innerhalb der Puppy Community.


Im Folgenden geht es zunächst um Puppyplay ganz allgemein und anschließend um die aktuellen Entwicklungen. Als Gast-Autor dabei ist Pup Oreo, Puppy Germany 2022, und bringt ergänzende Sichtweise mit ein.



Auf den Punkt? - “Was ist Puppy Play”

Puppy Play als persönliches Erlebnis

Puppy Play ist zunächst mal eine wundervolle Spielart, bei welcher eine oder mehrere der teilnehmenden Personen in die Rolle eines “Puppys” also eines Welpen schlüpft. Dabei nimmt die Person meist verspielte hündische Züge an, wie ein schief gelegten Kopf, wildes Ballspielen, Knuddeln, Streicheleinheite, Kommandos und Erziehung, Knurren, Raufen oder Verstecken. Die Palette an Möglichkeiten ist groß!


Es wird häufig zu Dogplay abgegrenzt, wo es ernster zugeht mit Zucht, Hierarchie, Kontrolle, Schmerzen und auch Erniedrigung.


Puppy Play ist ein Teilbereich des Pet Plays, welches wiederum ein Teil des Rollenspiels des BDSM ist.


Die persönliche Umsetzung ist sehr individuell. Jede_r Puppy Player_in und dessen Partnern_innen müssen für sich individuell entscheiden welche Aspekte aus Sexualität, BDSM, Fetisch, Intimität, hündischem und sozialem Verhalten sie integrieren wollen. Einige praktizieren Puppyplay asexuell und nutzen den Headspace eher zum Abschalten vom Alltag und anderen Problemen. Andere mögen die Community und Leute und empfinden es eher als eine Community. Und wieder andere haben einen stärker sexuellen Fokus, der sich dann in klassischem Sex (halt mit Outfit und Maske), in einer Art Primal Play (also mit Verhalten von Tieren und Jägern) oder sogar in einem Puppyhood-Fetisch (also Stimulatoin durch die Puppy Maske und Outfit) ergibt.



Die History und Einfluss-Communities

Historisch gesehen hat sich Puppy Play stark in den schwulen Fetisch und BDSM Communitys entwickelt, integriert aber mittlerweile meist alle Orientierungen und Geschlechter. Aufgrund der Andersartigkeit haben diese eigene Events und Strukturen gebildet, sind teilweise aber auch an die klassischen Strukturen angeschlossen.


Starke Einflussbereiche haben die Puppys auch mit den Petplayern des klassischen BDSMs, sowie den Furries. Grob vereinfacht kann man sagen, das die Mitglieder dieser Communities (Tier-)Charakteren als neue Identität für sich erschaffen, in diese Rollen schlüpfen und hierbei ein spezielles Mind-Set ausbilden (Fursona, Pet- oder Pup-Space), in welchem sie ihren Charakter ausleben.


Aber auch viele Fetischbereiche vermischen sich gerne mit den Puppys, wie die Gummi-, Gear-, Sneaker- oder Sportswear-Freunde.


Ist Pupplay der Einstieg in die BDSM Szene?

Für viele Puppys denke ich ja. Gerade der Headspace im Pupplay trägt viel dazu bei. Durch das Entfliehen aus der menschlichen Welt und das zeitweilige vergessen der Sorgen und Probleme des Menschen Öffnen sich viele Möglichkeiten. Viele können dadurch mehr von ihrer Persönlichkeit zeigen als sonst, werden offener und selbstbewusster. Dies Hilft enorm dabei auch mal andere Fetische und Sachen aus der BDSM Szene zu testen. Ein weiteres Plus ist, das Pupplay mit vielen anderen Fetischen kombinierbar ist. So gibt es viele Rubber, ABDL oder auch MX Puppys.

- Oreo



Die Puppy Play Community

Die Puppy Community hat sich über Telegram, Facebook, Instagram, TikTok und andere Kanäle mittlerweile sehr gut vernetzt. Es gibt Stammtische und private Puppy Zusammenschlüsse in fast jeder Stadt, aber auch größere Events, wie die “Puppy Circuit” (Berlin) oder das “Puppy Pub Crawl” (Köln). Dabei hat die Szene auch eigene Strukturen (Rudel) und Rituale entwickelt (Oreo):


Ein Gerücht, welches sich seit Jahren hält ist, dass man zu einem Rudel gehören muss. Dies ist Unsinn. Gerade durch die Coronazeit haben sich viele bestehende Rudel verändert, sind zerbrochen oder haben sich teilweise neu gefunden. Dabei ist gerade die Zahl der Streuner ohne Rudel deutlich größer geworden.

Die Taufe durch die Schwestern der perpetuellen Indulgenz und teilweise zusätzlich durch den Puppy Germany, ist ein Ritual welches manche Puppys gerne machen, um bei einer feierlichen Zeremonie ihren Namen zu erhalten. Dies ist nicht verpflichtend für jeden Puppy, sonder einfach ein kleiner netter Zusatz für manche.



Die Puppy Community auf dem Scheideweg?

Die Puppy Szene ist am wachsen und immer mehr Menschen können sich mit den Ideen und Konzepten des Human Pupplays identifizieren, sowohl auf persönlicher Ebene, wie auch auf der Ebene einer Community. Das Niveau einer überschaubaren kleinen Gruppe ist längst überschritten. Und selbst wenn sich viele untereinander noch kennen, so zerbrechen bestehende Strukturen und Rudels, neue bilden sich und weitere Strukturen entstehen. Mit der zunehmenden Größe und Distanz zu anderen Mitgliedern scheint der Gemeinschaftsgeist verloren zu gehen. Statt füreinander da zu sein, versucht man sich untereinander abzugrenzen. Konflikte kommen auf und gemeinsame Werte werden in Frage gestellt, bzw. für Splittergruppen neu definiert.


Daran scheiden sich die Geister

Mit ihrer Mischung aus Kink, Rollenspiel und Head Space, Freigeist und Geltungsdrang ecken die Puppys gerne auch Mal an.


Puppys in der Szene

Die Anonymität der Maske macht es schwer den Menschen dahinter zu erkennen und gibt einen gewissen Schutz. Bei einigen wenigen Mitgliedern der Community hat dies zu Fehlverhalten geführt, weshalb die Puppys als Ganzes in Folge in einigen Lokalen Haus-, bzw. Maskenverboot bekamen oder ihre Stammtische dort verloren.


Es haben sich aber auch spezielle Angebote entwickelt und Puppys sind zum Beispiel beim gay-BDSM.club stete Gäste und immer expizit willkommen.


Eine ähnliche Entwicklung gab es auch in Köln (Oreo):

Nicht immer wären und sind Puppys überall gern gesehen. Bestimmte Geschäfte haben ein Puppy verbot ausgesprochen und das Tragen der Puppy Maske untersagt. Allerdings ist die Entwicklung nach der Corona Zeit oft auch in eine positive Richtung verlaufen. So sind die Puppys in der Pluto Sauna in Essen gern gesehen und auch in Köln gibt es durch das Kinkz jetzt eine Bar die für alle Fetische offen ist.



Social vs. Sexual Puppys

Fetisch und BDSM ist zumindest in einem geringen Umfang für Puppys meist ein akzeptabler Bereich. Eine gerade heiß diskutierte Frage ist aber wie viel Sex im Puppyplay steckt. Sexuelles, persönliches und soziales Pupplay schließt einander nicht aus, aber gibt es ein Konflikt: Zum einen wird von Veranstaltern verlangt, dass sie wichtige Informationen wie “sexpositivität” nicht in die Beschreibungen bringen, da die Events sonst auf den Puppy Kanälen nicht gepostet und verbreitet werden dürfen. Zum anderen regen sich jedoch die Teilnehmer von Events auf, wenn dort dann mehr Sex ist, als erwartet.


Derzeit findet hier leider eine Art Spaltung statt und so gibt es beispielsweise in Berlin einen asexuellen Stammtisch in der Brezel und mit dem “Puppy Markt” ein Sex- und Social-positives Event im sinberlin.


Wie viel Sex steckt im Pupplay?

Wie viel Sex am Ende im Pupplay drin steckt kann jeder für sich selbst entscheiden und austesten. Pupplay bietet die Möglichkeit es sowohl rein sozial als auch nur sexuell zu betreiben und jede Mischung daraus. Es gibt Veranstaltungen, die für das Ausleben der sozialen Seite wunderbar geeignet sind, wie die Gear´n´Dance in Bottrop die eine für jeden Fetisch offene Party ist ohne sexuelle Handlungen. Genauso gibt es Veranstaltungen auf denen auch die sexuelle Seite gut ausgelebt werden kann wie auf den Saunaevents in Köln und Essen.


Beim Puppy Market im Juli '22 in Berlin hatten die Wuffels die möglichkeit sowohl als sexuelles wie auch als social Puppy teilzunehmen. Das Event war offen für alle Geschlechter und Orientierungen


Puppys auf CSDs

Alle Jahre wieder kommt auch das Thema auf, ob und wie Puppys auf die CSDs dürfen. Dabei geraten sie immer wieder unter Beschuss von rechtspopulistischen Bewegungen (in 2022 waren es Kinderseelenschützer e.V. oder HeidePark) oder von anderen Aktivisten (wie persiax). Gefordert wird hierbei meist ein Verbot von Puppy-Masken, Fetisch-Symbolen und vermeintlich anderen sexualisierten Objekten und Handlungen.


Fälschlicherweise nehmen unaufgeklärte Betrachter das Puppy Play, Fetischobjekte und Symbole häufig als sexualisierte Gegenstände wahr. Outfits, Gear, Hood, Halsband, Leine und selbst arschfreie Hosen sind im Rahmen einer Demonstration aber viel mehr Symbole zum Ausdruck des Widerstandes und der eigenen Identität. Ob diese Objekt vom Träger sexuallisiert sind, sollte in diesem Umfeld keine Bedeutung haben und ist eine sehr persönliche Frage, die ein Betrachter nicht beantworten kann. Als Außenstehender kann man lediglich seine eigene Vorstellung der Sache auf den anderen Menschen projizieren und macht damit genau dies, was man auf einem CSD nicht sollte: andere Menschen verurteilen.


Basierend auf diesem grundlegend falschen Ansatz, dass der CSD hierdurch sexualisiert würde, geht die Argumentation dann meist in Richtung Kinderschutz oder dass politische Botschaften hierdurch nicht ernst genommen werden würden.


Wunderbar wurde diese Debatte vom CSD Deutschland e.V. oder Chris (sexabled.de) analysiert und richtig gestellt (sehr lesenswerte Artikel, welche die Hintergründe nochmals sehr gut beleuchten). Fazit dieser Artikel: Kinder sind toleranter und weniger voreingenommen gegen Fetisch, Sexualität und Puppyplay als ihre Eltern, welche das eigentliche Problem mit der Abweichung vom Normativ haben. Und Fetische und Sex sind seit jeher ein essentieller Teil der CSD-Bewegung.


Verfolgt man die Diskussionen, so merkt man eine starke Tendenz welche Kommentare gelöscht werden und welche nicht. Analysiert man die Hintergründe der verschiedenen Kritiker, so findet man sehr häufig rechtspopulistische Strukturen und Gedankengut. Das Erschreckende ist aber nicht, das diese Szene mit ihrer Sichtweise argumentieren, sondern dass diese Argumente von Mitgliedern der LGBTQ*-Welt, teilweise sogar von CSDs und auch der Puppy Community übernommen werden. Damit verleumden sie nicht nur ihre eigenen Ursprünge und Communities, sie argumentieren auch mit den gleichen Worten, die in anderen Ländern dazu genutzt werden, um CSDs und gesellschaftliche Vielfalt als ganzes zu unterdrücken.


Wie stellen sich die Puppys auf den CSDs auf?

Die Puppys sind eigentlich auf jedem CSD eine bunte und aufgeschlossene Gruppe, die gute Laune verbreitet und auch von vielen Zuschauern gern gesehen ist. Da es allerdings immer wieder Zwischenfälle auf CSDs gibt, die zwar nicht aus unserer Community stammen aber trotzdem leider mit uns verbunden werden, haben wir Puppys bestimmte Regeln für das Verhalten auf einem CSD. Dazu gehören keine sexuellen Handlungen, das Verdecken von primären Geschlechtsorganen sowie den Po als auch kein direktes zugehen auf Kinder.

- Oreo



Für Anregungen, Kritik und Kommentare? Besucht gerne die Seite des Autors: www.gay-BDSM.club



Über den Dan Apus Monoceros:

Dan Apus Monoceros ist Kink- und Beziehungs-Coach und macht seit 2019 Events für die Puppy Community in Berlin. Über seinen Mann hat er den Weg zur Puppy Welt gefunden, hat heute 3 Wuffels in seiner kinky Family und macht mit dem gay-BDSM.club und der Puppy Circuit Events die sowohl sexuelle, wie auch social Pupplayers ansprechen.


Über Pup Oreo:

Oreo ist Puppy Germany 2022. Er ist seit 3 Jahren ein Puppy und vertritt als Puppy Germany die soziale und sexuelle Seite des Pupplays. Nicht jeder entdeckt beide Seiten gleichermaßen für sich. Manche können mit dem sexuellem nichts anfangen und betreiben rein soziales Pupplay, andere wiederum betreiben das Pupplay fast ausschließlich im sexuellen. Ob sexuell, sozial oder eine Mischung, alles ist Pupplay.



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