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  • AutorenbildDan Apus Monoceros

Die Faszination des Fesselns

Einblicke aus der Welt des Bondage



Eng verschnürt, fast schon wie ein kleines Paket, liegt er da. Seine Hände hinter dem Rücken, die Seile durch den Mund geführt, und mit schon fast flehenden Augen guckt er einen an. Was wohnt mit ihm als nächstes passiert…? Aber egal was er will, du kannst entscheiden und über die nächsten Handlungen bestimmen. Und das weiß er.


Fesseln, Bondage, Shibari - das kinky Spiel mit den Seilen hat viele Namen. Und doch steht im Mittelpunkt immer das Miteinander zwischen zwei Menschen. Die Hingabe des einen Partners und das Halten durch den anderen. Die Seile sind dabei wie ein Medium, mittels welchem wir unseren Partner fixieren, aber auch Botschaften und Signale senden, mit dem wir unserem Willen Ausdruck verleihen und mit dem wir auf die Impulse unseres Partners reagieren.


Unter dem Begriff “Rigger” versteht man den aktiv Fesselnden. Den passiven Gegenpart nennt man meistens “Model” oder Ropebunny”.



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Der Autor des Artikels ist Dan Apus Monoceros, Coach und Rigger aus Berlin. Vor knapp 20 Jahren hat er mit dem Fesseln begonnen. Seither steht er regelmäßig auch als Künstler auf der Bühne, gibt live Shows und Performances, bietet verschiedene Möglichkeiten des Ausprobierens an, und in seinem eigenen Studio in Mitte auch ein in sich abgestimmtes,

aufeinander aufbauendes Kurskonzept. Dort führt er auch regelmäßig seine Teilnehmer in die Kunst des Fesselns ein, wobei er von den ersten Grundübungen bis hin zu komplexen Bewegungen in der Luft unterrichtet. Dabei stehen aber nicht nur diese Transitionen und Suspensionen im Fokus, sondern auch die emotionale, intime und sexuelle Seite des Fesselns.


Wer mehr informationen möchte, erreicht Dan am besten über WhatsApp oder Telegram: 015757096898 | @DanApusMonoceros

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Wieso fesseln wir?

Wehrlosigkeit, keine Bewegungs- bzw Entscheidungsfreiheit mehr zu haben, Hingabe, Geborgenheit, Halt geben bzw erhalten, Nähe, Unterwürfigkeit, Demütigung, Kontrollverlust, Schmerzen, sexuelles Stimulation, Ästhetik, das leichtere halten bzw unterstützen von bestimmten Positionen, wilder Sex, kinky Spiel oder einfach das Gefesselt sein genießen.


Gründe gibt es viele, wieso Menschen fesseln. Bei einigen ist es mehr ein funktionales Element, welches das übrige Spiel einleitet und den Partner in die Wehrlosigkeit oder eine bestimmte Position bringt. Bei anderen ist Fesseln das Kernelement und es bedarf nichts weiter herum.


Was ist dein Grund? Schreib es in die Kommentare oder sende mir eine Nachricht!





"Es ist einfach schön, sich hinzugeben, loszulassen und die Kontrolle abzugeben."


In diesem Artikel

In diesem Artikel wollen wir uns vor allem mit den kleinen faszinierenden Details des Fesselns beschäftigen, die aus einem technischen und sicheren Prozedere eine spannende und intime Session machen. Der Artikel legt hierbei keinen klaren Fokus auf einen spezifischen Stil und setzt die Basis des sicheren Fesselns voraus. Einvernehmlichkeit, Verbindung, Vertrauen, Vor und Nachgespräche sind keine Elemente dieses Artikels, wohl aber einer jeden BDSM Session.


Seilbondage - selbst wenn man denkt, alles vermeintlich richtig zu machen - birgt Risiken und Gefahren und kann zu ernsthaften Schäden führen. Bei unerfahrenen Riggern oder Bunnys, die hier kein Grundlagenwissen haben, ist das Risiko entsprechend höher. Die hier beschriebenen Dinge sind daher nicht zur Nachahmung gedacht.


Fesselarten und Stile

Je nachdem mit welchem Ziel und Zweck man fesselt, gibt es grundlegende Unterschiede im Fesseln. Will man hiermit eher haltende und wohlwollende Gefühle hervorrufen, macht man dies anders, als wenn man Schmerzen verursachen will, Dominanz mit den Seilen ausüben will oder den Partner in einer bestimmten Position halten und ihn in dieser unterstützen will… oder wenn ein Fotoshooting mit schönen Fesselungen und Posen entstehen soll … oder wenn das Bondage vor allem für Sex genutzt werden soll… Im Japanischen, wo Bondage (dort nennt man es Shibari) eine wesentlich längere Tradition hat, gibt es verschiedene Namen für die verschiedenen Fesselanwendungen, wie Kinbaku, Semenawa oder Hojojutsu. Hier haben sich auch unterschiedliche Fesselstile nach unterschiedlichen Lehrern herausgebildet und eigenen Namen bekommen, die dann aber eine ganze, eigene Philosophie dahinter aufgebaut haben.


Sofern man sich nun nicht einer Lehre voll verschreibt, kann man aber sehr flexibel arbeiten und sich sein eigenes Bondagekonzept zusammen suchen. Mitnehmen aus diesem Gedanken sollten wir aber, dass Fesseln je nach Anwendungsfall und Zielsetzung sehr unterschiedlich sein kann, dass viele Fesselungen aufeinander aufbauen und dass Bondage nicht nur einfaches Verknoten ist, sondern dass hier auch mehr dahinter stecken kann. Im Laufe der Zeit wird jeder Fessler seinen eigenen Stil und Ansatz finden und diesen weiterentwickeln, wie er gerne fesselt. Dies hält euch aber nicht davon ab, euch situativ anzupassen und wenn ihr mehrere Stile drauf habt, jedem Partner ein auf seine Weise passendes und spannendes Erlebnis zu liefern.





Der Einfluss des Materials

Auch möchte der Artikel nicht auf die verschiedenen Materialien eingehen, die es zum Fesseln gibt. Es soll aber erwähnt werden, dass sich die Wahl des Materials häufig aus dem jeweiligen Fesselziel ergibt. Da die Materialien aber unterschiedliche Eigenschaften haben, sollte dies zu anderen Fesseltechniken führen, die mit den jeweiligen Besonderheiten des Materials einhergehen.


Beispiel: Baumwolle wird sehr gerne bei der Fesselungen von Rubber Bunnies verwendet, da man Baumwolle relativ leicht waschen kann und somit das Silikonöl wieder runter bekommt. Weiße Baumwolle gibt außerdem einen schönen Kontrast zu häufig schwarzem Gummi. Baumwolle hat aber eine wesentlich (ca.das 4- bis 6-fach) höhere Elastizität als Hanf und Knoten werden hierdurch wesentlich enger und schwerer zu lösen. Daher werden hier häufig Webe-Techniken, statt Knoten-Techniken verwendet, wenn man mit Baumwolle arbeitet, um hinterher die Seile wieder leichter zu lösen.


Den Aufbau von Bondage verstehen

Rein technisch lässt sich Bondage auf die folgenden Elemente runterbrechen :


Das einfachste Element ist ein Knoten. Dieser kann verschiedene Eigenschaften haben und daher macht es Sinn, den richtigen Knoten zur richtigen Zeit anzuwenden. Dieser wird mit Wickelungen zu einer Fesselung verbunden. Mehrere Teilfesselungen können dann zu einer Gesamtfesselung verbunden werden, welche den Partner in eine bestimmte Position bringt. Diese "Figuren" können aber mit verschiedenen Fesselungen und Techniken erreicht werden. Bis zu einem gewissen Grad sind Knoten, Wickelungen und Fesselungen austauschbar.


Es gibt aber Kombinationen, die mehr Sinn machen als andere, und einige Kombinationen können sogar (un)gewünschte Zusatzeffekte oder Schäden verursachen. Je nachdem kann man so Druck, Schmerz, Atemreduktion, Unsicherheit, oder Ähnliches erzeugen. Je nachdem was man erreichen möchte, wählt man daher die jeweils passende Kombinationen. Dies erfordert aber sehr gute Kenntnisse und Fertigkeiten, dies zu erreichen.


Das Gesamte ist dann in eine Session eingebaut, wobei hier weit mehr als nur die reine Seil- und Knotentechnik gefragt sind.




Rope Handling und Spannung

Wenn man Fesseltechniken lernt, geht es hierbei nicht nur um Knoten, Wicklungen und Positionen, sondern auch um die Technik, die dahinter steht. Das Rope Handling beschreibt dabei, wie man die Knoten und Wicklungen ausführt, wie Knoten gezielt und präzise gemacht werden, wie man selbst im Dunkeln die Knoten sicher hinbekommt, wie man das Seil anlegt und es straff zieht und wo man es vielleicht etwas lockerer lässt. Zum Rope Handling gehört aber auch, wie man die Seile aufwickelt, so dass man sie schnell wieder griff- und einsatzbereit hat oder wie man sie zur Seite legt, wenn man mal pausiert.



Geschwindigkeit und Rhythmik

Wer fesselt, ist nicht im Zeitdruck zum Ergebnis zu kommen. Bereits das Einwickeln an sich kann das Ergebnis sein (je nachdem, wie man es für sich eben definiert). Wenn man dies für sich so festlegt, ist bereits das Fesseln das Ziel und wenn man dies mit viel Ruhe und Gelassenheit macht, hat man hier bereits ein sehr intensives und intimes Spiel, wenn man jede Wicklung, Lage um Lage genießt. Andere bevorzugen ein schnelles, fast schon überwältigendes Fesseln, wo der Partner gar nicht weiß wie ihm passiert und er quasi von jetzt auf gleich in einer wehrlosen Situation ist und sich nur noch hingeben und genießen kann. Aber auch die Kombination, wo einige Seile quasi blitzschnell den Partner überraschen und andere genüsslich den Partner einengen. Jeder muss hier seinen Stil finden und mit der Geschwindigkeit zu experimentieren ist ein spannendes Medium, wie sich die gleiche Fesselung plötzlich ganz anders gestalten kann.


Profi-Tipp:

Wenn ihr die Geschwindigkeit bestimmt, achtet hierbei auch mal auf die Atmung eures Partners oder den Herzschlag und versucht euch mit diesem zu synchronisieren. Passt auch mal eure eigene Atmung hier an. Wie ist es mit dem Rhythmus einer passenden Musik, die ihr dazu hört? Hier können sich beide Partner auf den Beat einlassen und so leichter synchronisieren.


Distanz und Nähe

Nähe und Distanz sind ebenfalls spannende Elemente. Dies passiert nicht nur durch die führende Hand, sondern mit dem ganzen Körper, mit Blicken oder Atem … Zum Beispiel durch die Hand, die beim Wickeln über den Körper gleitet und diesen fein berührt... intim und unanständig, oder eher streicheln und liebkosend? Aber auch die anderen Körperteile. Seid ihr mit eurer Hüfte nahe an Eurem Partner dran oder doch eher distanziert? Wange an Wange? Oder doch eher der intensive Blick in oder die Dominanz durch die Augen?


Wie nah ihr eurem Partner kommt, ist natürlich eine Geschmacksfrage und sollte auch im Vorfeld abgestimmt werden. Aber beide Ansätze haben ihre Berechtigung, auch wenn ihr ein rein asexuelles Bondage praktiziert. Nähe geht hierbei in Richtung halten und jemanden auffangen. Häufig kann man ihn hierdurch weiterbringen. Es spiegelt Vertrauen und Verbindung wider und man kann das Leiden in gewisser Weise teilen.


Aber auch die Distanz hat ihre Reize. Das Alleinsein, die persönliche Herausforderung in der Situation oder das ruhige In Sich Kehren und Abschalten.





Auch hier ist die Kombination wohl wieder die spannendste Variante. Beim Partner das Verlangen nach Nähe aufzubauen, ihm diese zu geben und dann zu entziehen, nur um ihn spüren zu lassen, dass er sie wirklich gerade braucht und er von einem abhängig ist. Wie ihr es genau gestaltet, bleibt natürlich euch überlassen, aber eine Story mit den Gegenpolen zu bilden ist eine spannende Möglichkeit.


Wie steht ihr dazu?


Die Führung des Partners

Den Partner in eine bestimmte Position zu führen, ist ein weiteres wesentliches Element. Dies kann man natürlich verbal machen, "Knie nieder” oder mit der Hand führen, indem man ihn nach unten drückt. Geübte Paare können dies aber bereits durch kleine Berührungen verstehen. Ein Tipp und der Partner dreht sich, ein kleiner Stupser und das Bunny bewegt sich in die entsprechende Richtung. Solche Impulse können aber auch über das Seil übertragen werden. Wer möchte, kann dies aber auch kraftvoller machen. Schwächere Partner nutzen hierbei Schmerzpunkte am Körper. Das Spiel kann dann wie eine Art Raufen oder Kampf sein und je nachdem, auf was man sich einigt, kann der Partner sich hier auch zur Wehr setzen. Die Art und Weise, wie man seinen Partner führt, ist ein wesentlicher Teil des Spiels und kann ihn bereits frühzeitig in den richtigen Headspace bringen (hierzu später mehr).


Die kleinen Details und Herausforderungen

Neben den großen Fesselungen geht es häufig um kleine Details, wie die Integration von Fingern, Kopf oder Zehen. Aber auch das integrieren eines Seils um den Hoden, der dann über eine Rolle mit zum Beispiel dem erhobenen Fuß verbunden ist, kann eine erhebliche Wirkung haben. Sie werden zwar meist als Ergänzung verwendet, wenn man sie aber geschickt einsetzt, kann man diese auch als Startpunkt einer Fesselung verwenden.


Je nachdem, ob man nun eher eine lange und komfortable Fesselung möchte oder ob man dem Partner den Nervenkitzel von kleinen Challenges bieten möchte, mit diesen Details kann man hier viel erreichen und es dem Partner besonders spannend zu gestalten.






Enge schaffen durch das Ausnutzen von Flexibilität und Entspannung

Wenn man dann die Fesselung ausführt, so ist es wichtig auch die Körperflexibilität und die Gelenkigkeit des jeweiligen Partners zu beachten. Dies gilt nicht nur bei Leuten, die hier vielleicht eingeschränkt sind, sondern vor allem auch bei Menschen, die hier besonders flexibel und gedehnt sind. Denn teilweise reichen bereits kleine Änderungen in der Körperhaltung aus um ein vorher straffes Bondage wieder abzuschwächen. Gerade beim muskulöseren Partnern ist es so, dass sobald sie die Muskeln nicht mehr anspannen, häufig die Spannung auch von den Seilen erlischt, und sie fast schon runterfallen. Mit der Zeit, wenn sich unser Partner wohlfühlt und hingeht, werden die Muskeln häufig von alleine entspannen und man kann durch Querverbindungen und Gegenzug die Seile erneut straffen, selbst wenn die ursprünglichen Seile nicht mehr direkt enger zu machen sind.


Übung macht den Meister

Die hier aufgeführten Dinge sind lediglich ein Einblick in die spannende Welt des Fesselns und bei Weitem noch nicht abschließend aufgeführt. Es gibt so viel mehr zu entdecken!


Wer sie aber umsetzen will, der sollte mit den Grundlagen des Bondage vertraut sein und die wesentlichen Elemente verinnerlicht haben. Hierzu bedarf es natürlich viel Übung und auch immer wieder die Anwendung in neuen Situationen und Varianten. Das so genannte Muskelgedächtnis ist hierbei von entscheidender Bedeutung und wir kommen nicht herum, die Knoten und Wicklungen so gut zu lernen, dass wir sie blind können.


Aber nicht nur die Knoten sind essentiell. Auch das Wissen und der Austausch, wie ihr die oben genannten Elemente integriert, ist wichtig. Es geht darum diese (und weitere) zu erkennen, diese zu entschlüsseln und mit Praktiken real werden zu lassen. Dabei muss jeder für sich die passenden finden, die zu seinem eigenen Stil am besten passen. In meinen Kursen lege ich hierbei beispielsweise einen expliziten Fokus darauf, dass neben den Standardfesselungen, auch solche Elemente integriert werden und dass man mit diesen im Kurs experimentieren und ausprobieren kann.


Was gibt es mehr?

Die Welt der Seile hat noch viel mehr zu bieten, als es hier in diesem kurzen Artikel möglich war zu beschreiben. Du hast Lust hier mehr zu lernen, eigene tiefergehende Erfahrungen zu machen? Dein sexuelles Bondage aufzupeppen oder komplexere (Hänge)Fesselungen zu lernen? Kleine Details zu lernen, wie du dein bestehendes Wissen aufpolieren kannst oder wie du bei deinem Partner Gefühle erzeugen kannst? Schreib mir eine Nachricht. Ich biete Workshops und Kurse, sowie privates Lernen und Erlebnisse für alle Geschlechter und Orientierungen.



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